Düsseldorf (ots) –

Viele Kinder und Jugendliche wissen nicht, was sie tun sollen, wenn sie im Internet von Erwachsenen sexuell bedrängt werden. Zudem halten viele den Kontakt aufrecht, obwohl sich herausstellt, dass ihr Gegenüber bereits erwachsen ist. Die Zahl der Kinder, die von Erwachsenen im Internet mit sexuellen Absichten kontaktiert werden, ist tendenziell rückläufig, sie befindet sich jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau. Anlass zur Entwarnung besteht daher nicht. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Befragung der Landesanstalt für Medien NRW.

Unsicherheit und zu wenig Angebote – Kinder sprechen nicht über Cybergrooming

Die Anonymität des Internets macht es potenziellen Täterinnen und Tätern leicht, sich Kindern und Jugendlichen unbemerkt zu nähern und ihr Vertrauen zu erschleichen. Das Vorgehen ist dabei oft genauso perfide wie geschickt. So ist eine verbreitete Strategie von Täterinnen und Tätern, dass sie ihr wahres Alter erst zu erkennen geben, wenn sie bereits das Vertrauen des Kindes gewonnen haben. Viel zu oft lassen sich Kinder und Jugendliche davon täuschen. Jedes vierte Kind (25 %) hält den Kontakt aufrecht, nachdem es herausfindet, dass sein Chatpartner bereits erwachsen ist. Als Motive dafür werden vor allem die entgegengebrachte Wertschätzung (45 %), die Freude über das Interesse von Älteren an der eigenen Person (38 %) und die Neugierde, schauen zu wollen, was passieren würde (31 %), angegeben.

Viele Kinder (31 %) haben noch nie über Cybergrooming gesprochen. Besonders jüngere Kinder haben sich bisher weder mit Eltern oder Lehrkräften noch mit Gleichaltrigen über die Gefahren durch Cybergrooming ausgetauscht. Unter den 8- bis 9-Jährigen sind dies mit 45 Prozent beinahe die Hälfte der Befragten.

Rückläufige Zahlen sind kein Grund zur Entwarnung, Prävention ist einziger Schutz vor Cybergrooming

„Kinder müssen über Cybergrooming aufgeklärt werden, sobald sie das Internet für sich entdecken. Offensichtlich ist das häufig nicht ausreichend der Fall. Dabei ist die Botschaft im Grunde ganz einfach: Wenn dich ein fremder Erwachsener anspricht, laufe weg! Online genauso wie offline. Unsere Ergebnisse deuten aber immerhin auch darauf hin, dass dies bei einem Teil der Kinder bereits angekommen ist. Genau da müssen wir jetzt weitermachen“, so Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW.

Demnach gibt mit 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren im Jahr 2024 immer noch jedes vierte Kind an, bereits in sozialen Netzwerken oder Online-Spielen von Cybergrooming betroffen gewesen zu sein. 2022 waren dies im Vergleich dagegen 31 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen. Während 2022 noch 24 Prozent der Befragten angaben, von Erwachsenen zu realen Treffen aufgefordert worden zu sein, waren dies 2024 rund 16 Prozent. Die Aufforderung, freizügige Bilder oder Videos zu senden, ist von 14 Prozent in 2022 auf 10 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Zurückführen lassen sich diese Ergebnisse wohl auch auf die verstärkte Aufmerksamkeit für das Thema und die gestiegenen Bemühungen im Bereich der Prävention. Diese gesunkenen Zahlen dürfen aber nicht als Entwarnung angesehen werden. Die Gefahr, von Cybergrooming betroffen zu sein, hat sich grundsätzlich nicht verändert.

So müssen Kinder frühzeitig lernen, welche Sicherheitsregeln es zu beachten gilt, um sich online vor Angriffen wie Cybergrooming zu schützen. Sie benötigen Vertrauenspersonen, an die sie sich wenden können, wenn ihnen etwas komisch vorkommt oder wenn ihnen schon etwas passiert ist. Dass die Gefahren von Cybergrooming noch ernster genommen werden, ist auch ein Wunsch vieler Kinder und Jugendlicher. 62 Prozent der Befragten wünschen sich, in der Schule mehr über das Thema zu erfahren. 42 Prozent der Kinder und Jugendlichen würden gerne mehr mit ihren Eltern über Cybergrooming sprechen.

Weiterführende Informationen zum Thema und wie sich Kinder und Jugendliche vor Cybergrooming schützen können, finden Sie unter medienanstalt-nrw.de/cybergrooming.

Die vollständige Ergebnispräsentation zur aktuellen Befragung zu den Erfahrungen mit Cybergrooming finden Sie hier.

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Christopher Schmidt
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Quelle: Presseportal