Auf der Computex 2026 dreht sich in der RAM-Ecke alles um zwei neue Standards: CUDIMMs bringen DDR5-8000 ohne Übertaktungsprofile, CQDIMMs schieben die Kapazität auf 128 Gigabyte pro Stick. Beides klingt nach einem runden Sprung für Desktop-Systeme. Der Haken: Welche Plattform beides wirklich unterstützt, ist nicht symmetrisch — und der eigentlich interessante Markteffekt spielt sich woanders ab.
DDR5-8000 ohne XMP oder EXPO — was CUDIMMs leisten
Herkömmliche schnelle DDR5-Module brauchen Übertaktungsprofile wie XMP oder EXPO, um über den offiziellen JEDEC-Standard hinaus zu takten. CUDIMMs (Clock Unbuffered DIMMs) bringen einen eigenen Takt-Chip auf dem Modul mit — und ermöglichen damit DDR5-8000 ohne erhöhte Spannung und ohne manuelle Profil-Aktivierung im BIOS. Dato demonstrierte auf der Computex entsprechende Module, die diese Geschwindigkeit im Default-Modus erreichen.
Für wen das relevant ist: vor allem für System-Integratoren und alle, die Arbeitsrechner ohne manuelle BIOS-Konfiguration aufsetzen wollen. In meinem Umfeld sind es genau diese Kleinigkeiten, die beim Kundenrechner nachher den Unterschied machen — ein Speicher, der einfach auf Nenngeschwindigkeit läuft, ohne dass man im BIOS nachhelfen muss, spart Support-Runden.
128-GB-Sticks — aber vorerst nur für Intel
CQDIMMs (Clocked Quad-Ranked DIMMs) verdoppeln die Kapazität pro Modul auf 128 GB durch vier statt zwei Ranks. Sinnvoll vor allem für kompakte Mini-ITX-Systeme mit nur zwei DIMM-Slots: damit wären bis zu 256 GB in solchen Formfaktoren realisierbar. Intel Core Ultra 200 (Arrow Lake) unterstützt CQDIMMs — AMD-Ryzen-Prozessoren aktuell nicht. AMD bestätigte, dass technische Grenzen im I/O-Design dahinterstecken; kurzfristig kein Fix in Sicht.
Wer also auf kapazitätsstarke kompakte Systeme setzt, hat fürs Erste eine klare Plattformwahl.
Warum DDR4 gerade ein Comeback erlebt
Der interessanteste Computex-RAM-Befund ist ein Markteffekt, der mit den neuen Modulen nur indirekt zusammenhängt. KI-Hyperscaler — Amazon, Google, Microsoft — kaufen derzeit große Mengen verfügbarer DRAM-Kapazität auf. Das drückt die Verfügbarkeit für den Consumer- und SME-Markt. AMD berichtete auf der Computex, dass sich die Verkaufsquote ihrer Prozessoren in Westeuropa von 80 Prozent AM5/DDR5 auf ein 60:40-Verhältnis mit DDR4 verschoben hat: DDR4 ist besser verfügbar, ältere Plattformen werden attraktiver. Kleinere DRAM-Hersteller wie CXMT, Nanya und Etron stoßen in die entstehende Lücke.
Das ist der eigentliche Befund: nicht die neuen Modulnamen, sondern die Tatsache, dass Rechenzentrums-Budgets der großen Hyperscaler bestimmen, was beim nächsten RAM-Einkauf für einen Kundenrechner auf dem Regal liegt.


