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LLMShare: Wenn ein chatgpt.com-Link zur Falle wird

Angreifer missbrauchen die offizielle Sharing-Funktion von ChatGPT und Claude, um Nutzern gefälschte Ausfallseiten zu zeigen und Malware zu verteilen. Sicherheitsforscher haben die Kampagne unter dem Namen LLMShare dokumentiert.

Tastatur mit Vorhängeschloss-Symbol als Sinnbild für Cybersicherheit und Phishing-Angriffe

Die Idee ist eigentlich simpel — und genau deshalb funktioniert sie. Wer einen Link auf chatgpt.com sieht, denkt: OpenAI, seriös, kein Phishing. Genau das nutzen die Hintermänner der Kampagne „LLMShare“ aus, die Sicherheitsforscher von Push Security dokumentiert haben. Keine Zero-Day-Lücke, kein gestohlenes Zertifikat — die Angriffsplattform hat OpenAI freundlicherweise selbst gebaut.

Ausfallseite statt Chatverlauf

Der Angriff startet mit Google-Anzeigen für Suchanfragen rund um ChatGPT. Ein Klick führt auf eine echte chatgpt.com/s/-URL — die offizielle Subdomain für geteilte Chats. Was dort erscheint, ist kein echter Gesprächsverlauf, sondern eine gefälschte Störungsmeldung: Das System sei wegen hohem Traffic nicht verfügbar, der Nutzer möge doch die Desktop-App herunterladen. Den Text hat ein vorbereiteter Prompt als ChatGPT-Antwort in den geteilten Chat eingebettet; die Funktion arbeitet, wie sie soll — nur zum falschen Zweck.

Der Download-Button zeigt auf openew[.]app, eine täuschend echt aussehende OpenAI-Portal-Kopie. Bevor die eigentliche Nutzlast geladen wird, prüft die Seite per Cloaking, ob das Gerät kein virtuelles System ist — ein Schutzmechanismus, der auf die Analyse durch Sicherheitsforscher abzielt. Was am Ende auf dem Rechner landet, ist noch nicht vollständig analysiert; bei früheren, technisch ähnlichen Kampagnen waren es Infostealer.

Nicht nur ChatGPT: Claude, Grok und das ChatGPhish-Problem

Parallel missbrauchten Angreifer Claudes Artifacts-Funktion für sogenannte ClickFix-Köder: Geteilte Claude-Chats tarnten sich als Apple-Support-Anleitungen und forderten Nutzer auf, Terminal-Befehle zu kopieren und auszuführen — wieder auf der legitimen claude.ai-Domain, wieder über eine absichtlich eingebaute Share-Funktion. Auch geteilte Grok-Konversationen wurden für ähnliche Angriffe eingesetzt.

Auf ChatGPT gibt es mit „ChatGPhish“ noch eine verwandte Angriffsfläche: Wenn das Modell eine Webseite zusammenfasst, rendert es dabei Markdown-Links — ein manipulierter Link kann IP-Adresse und Browser-Daten an einen Angreifer-Server übermitteln, noch bevor der Nutzer irgendetwas anklickt. Das Summarizer-Feature als Angriffsstufe, ohne aktives Zutun des Opfers.

Das Muster zieht sich durch alle Plattformen: Share-Funktionen, Artifacts, Summarizer — alles Features, die für legitime Nutzung entwickelt wurden, alle inzwischen als Angriffsvektor dokumentiert. Die Schwachstelle liegt nicht in einer einzelnen Lücke, sondern in der Architektur: Wer vertrauenswürdige Domains als offene Freigabeplattform betreibt — ich sehe das schon seit den ersten öffentlichen Paste-Diensten so — liefert Angreifern fertige Infrastruktur mit.

Für den Alltag gilt: Eine KI-Sharing-Seite lädt niemals zum Download von Software ein, und kein legitimes KI-Tool fordert über einen geteilten Link zur Ausführung von Terminal-Befehlen auf. Wer bei Google auf eine ChatGPT-Anzeige stößt, tippt die Adresse lieber direkt ein. Das ist keine neue Erkenntnis — nur die Zieldomain hat sich geändert.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier.Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.