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ChatGPT zählt eine Milliarde Nutzer — und Anthropic überholt OpenAI trotzdem beim Umsatz

Anthropic hat OpenAI beim annualisierten Umsatz überholt — trotz einer Milliarde aktiver ChatGPT-Nutzer. Der Vorteil liegt im Enterprise-Fokus und deutlich günstigeren Trainingskosten.

KI-Assistenten im Unternehmenseinsatz

Im Mai 2026 meldete OpenAI eine Milliarde aktiver ChatGPT-Nutzer — schnelleres Nutzerwachstum als Google Maps, YouTube oder TikTok je hingelegt haben. Wer daraus auf klare Marktführerschaft beim Umsatz schließt, liegt falsch. Anthropic, das deutlich kleinere Unternehmen hinter Claude, hat OpenAI beim annualisierten Umsatz bereits überholt.

Die Zahl, die mehr zählt als Nutzer

Anthropic erreichte im April 2026 einen annualisierten Umsatz (ARR) von 30 Milliarden US-Dollar und überholte damit OpenAI, das zu dem Zeitpunkt bei 24 bis 25 Milliarden stand. Bis Ende Mai kletterte Anthropics ARR auf knapp 47 Milliarden. OpenAI rechnet laut Analysten-Schätzungen für das Gesamtjahr 2026 mit rund 34 Milliarden — was bedeutet: ein Unternehmen, das die meisten Menschen nicht mit einem Alltagsprodukt verbinden, verdient mehr als das mit einer Milliarde Nutzern.

Ich nutze Claude Code seit Monaten im produktiven Einsatz und habe ChatGPT dabei zunehmend in den Hintergrund verschoben — nicht aus Überzeugung, sondern weil die Ergebnisse es hergegeben haben. Das ist kein Einzelfall, das ist offenbar ein Muster.

80 Prozent Enterprise — das Rezept dahinter

Der eigentliche Unterschied liegt in der Kundenmischung. 80 Prozent von Anthropics Umsatz stammt aus dem Unternehmensgeschäft: API-Anbindungen, Enterprise-Verträge, Plattformlizenzen. OpenAI hat zwar mit ChatGPT die Konsumentenwelt dominiert, verdient aber pro Nutzer deutlich weniger — weil ein Großteil der Milliarden-Nutzerbasis keine zahlenden Premium-Kunden sind.

B2B-Umsatz ist strukturell stabiler und skalierbarer. Das ist keine KI-Besonderheit. Das ist Unternehmenslogik aus dem SaaS-Lehrbuch.

Anthropic trainiert seine Modelle zudem laut verfügbaren Daten zu einem Viertel der Kosten, die OpenAI aufwendet. Bei gleichzeitig höherem Umsatz ist das eine deutlich bessere Profitabilitätsbasis. Der Consumer-First-Ansatz war OpenAIs Stärke auf dem Weg zur Milliarde — er ist zunehmend auch der Grund, warum das Umsatzwachstum langsamer skaliert als bei Anthropic.

Nutzerzahlen sind eine Marketingkennzahl. Umsatz ist eine Unternehmensgröße. OpenAI hat Letztere lange hinter Ersterem versteckt — die aktuellen Zahlen machen den Unterschied sichtbar. Wie OpenAI reagiert, ob mit schärferer B2B-Strategie über Codex und API oder weiter mit Konsumentenvolumen, wird die Wettbewerbslage in den nächsten 18 Monaten bestimmen.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.