ASUS hat auf der Computex 2026 den ZenScreen MP13UC gezeigt — einen portablen 13,3-Zoll-Monitor, der statt eines IPS-Panels ein farbiges E-Paper-Display verbaut. 300 ppi, 35 Hz, Touch: die Eckdaten klingen brauchbar, der Preis fehlt noch komplett.
Was 300 ppi auf E-Paper bedeuten
3.200 × 2.400 Pixel auf 13,3 Zoll ergeben rechnerisch 302 ppi — das liegt deutlich über dem, was E-Paper-Monitore bisher liefern konnten. Onyx BOOX hat mit der Mira-Serie früh in diesen Bereich getastet; die Modelle bewegen sich zwischen 207 und 227 ppi. Die höhere Auflösung beim MP13UC ist also keine Kosmetik.
Das Panel verwendet vier Grundfarben und stellt laut ASUS 4.096 Farben dar. Für E-Paper ist das mehr als die verbreiteten Schwarz-Weiß-Modelle — für Foto- oder Videoproduktion taugt es trotzdem nicht. Farbspektrum und Genauigkeit liegen weit unter OLED oder IPS. Die eigentliche Stärke liegt woanders: kein Flackern, kein Blaulicht (TÜV Rheinland bestätigt beides), und bei direktem Sonnenlicht schlägt ein gutes E-Paper-Display jeden selbstleuchtenden Bildschirm. Wer schon einmal stundenlang auf einem E-Reader gelesen und danach zurück auf den Laptop-Monitor geschaut hat, kennt den Unterschied — für genau diese Szenarien ist der MP13UC gebaut.
Das 4:3-Seitenverhältnis ist eine bewusste Wahl: mehr Textzeilen auf dem Schirm als bei 16:9, praktisch für Dokumente, Tabellen, Code. Gewicht: 538 g. Der mitgelieferte Standfuß ATS001D ist von 190 bis 365 mm höhenverstellbar, trägt also zu einem ernsthafteren Einsatz bei als eine einfache Aufstellklappe. USB-C übernimmt Strom und Signal aus einer Buchse — Pflicht in dieser Kategorie.
Was ASUS im Marketing offen lässt
ASUS bewirbt den MP13UC mit „Ghosting-Free Technology“ — ein Versprechen, das mehr Erklärung verdient hätte. E-Paper-Displays kämpfen traditionell mit Geisterbildern vorheriger Inhalte, weil die Mikrokapseln langsamer reagieren als Flüssigkristalle. 35 Hz Bildwiederholrate ist für E-Paper ein fairer Wert, aber auch ungefähr halb so viel wie der 60-Hz-Standard bei IPS-Panels. Für statischen Inhalt — Dokumente, Code, Tabellen — spielt das kaum eine Rolle. Für Videokonferenzen mit schnell wechselnden Folien oder Animationen sollte man die Herstellerangabe mit Skepsis behandeln, bis unabhängige Tests vorliegen.
Was bislang fehlt: Kompatibilitätsangaben für Linux und macOS. Windows 11 ist bestätigt, mehr kommuniziert ASUS bisher nicht. Für ein Gerät, das sich an mobile Wissensarbeiter richtet, ist das eine echte Einschränkung — die Zielgruppe sitzt nicht homogen auf Windows.
Zum Vergleich: Onyx BOOX Mira kostet je nach Modell zwischen 300 und 500 US-Dollar — ohne Farbdisplay in dieser Auflösungsklasse. Wenn ASUS den MP13UC in einem ähnlichen Preisrahmen positioniert, hat das Gerät eine klare Daseinsberechtigung. Kommt er deutlich teurer, wird die Zielgruppe eng. E-Paper-Monitore sind immer noch Nischenprodukte — solche, die überzeugen müssen, bevor jemand sie zum Termin mitschleppt. Ein Computex-Auftritt ohne Preis ist dafür ein schwieriger Start.


