Anfang Juni trifft sich die Branche zur Computex in Taipeh, und Asus deutet bereits an, dass dort ein neuer Gaming-Handheld stehen wird. Konkrete Spezifikationen? Bleiben unter Verschluss. Die Nachricht selbst stammt nicht aus einer Pressemitteilung, sondern von einem deutschen YouTuber. Und das Messemotto, unter dem Asus seinen Auftritt fährt, heißt „Ubiquitous AI“ — also überall KI. Das allein deutet schon an, wie nah die Vorstellung an Substanz und wie nah sie an Marketing liegt.
Eine YouTuber-Andeutung als Aufhänger
Den Stein ins Rollen brachte der YouTuber Steam Dad, der in einem Video davon sprach, dass Asus auf der Computex eine neue Generation der mobilen Konsole ROG Ally zeigen werde. Mehr Details nannte er nicht — der übliche Verweis auf das Embargo. Zeitlich passt das zum 20-jährigen Bestehen der Marke Republic of Gamers, was Asus offensichtlich für einen Anlass hält, etwas zu inszenieren.
Die Quelle ist solide genug, um sie ernst zu nehmen, ersetzt aber keine Hersteller-Information. Wer in den letzten Jahren beobachtet hat, wie Asus seine Produktankündigungen über genau diese Kanäle vorbereitet, kennt das Muster: ein paar Andeutungen Wochen vorher, dann auf der Messe der eigentliche Aufschlag.
Warum eher Modellpflege als ein neuer Generationssprung
Die Hardware-Lage spricht gegen einen echten Sprung. Intel stellt zur Computex zwar die neuen Panther-Lake-Chips vor — Asus gilt aber nicht als Designpartner. Und AMD wird voraussichtlich noch keine Ryzen-Z3-Prozessoren präsentieren. Damit fehlt schlicht die neue Plattform, auf der ein Nachfolger sinnvoll aufbauen könnte.
Zulassungsdokumente aus dem Jahr 2025 wiesen auf ein Gerät mit AMD Ryzen Z2 Extreme und bis zu 64 GB Arbeitsspeicher hin — Komponenten, die im aktuellen ROG Xbox Ally X bereits verbaut sind. Realistisch wirkt also eher: überarbeiteter Akku, verbesserte Kühlung, ein paar Ergonomie-Anpassungen, vielleicht ein helleres Display. Genau die Punkte, bei denen Käufer der ersten Ally-Generation am lautesten waren.
Ich beobachte den Handheld-Markt seit dem Steam Deck eher aus der Distanz — bei Kunden im KMU-Umfeld spielt das Format praktisch nie eine Rolle, und privat reizt mich der Formfaktor weniger als die Frage, was da an Software drauf läuft. Genau dort hat Asus den entscheidenden Hebel, nicht beim Silizium.
Windows-Handhelds bleiben die eigentliche Baustelle
Microsoft und Asus arbeiten seit einiger Zeit daran, Windows handheld-tauglich zu machen — sichtbar etwa am ROG Xbox Ally X mit dedizierter Xbox-Taste und einer Vollbild-Xbox-Oberfläche, die beim Start direkt erscheint. Diese Anpassungen sollen schrittweise auf weitere Geräte ausgerollt werden, was bei einem Ally-Nachfolger naheliegt.
Das Konzept Windows-Handheld überzeugt mich bislang trotzdem nicht. Wenn ich auf einem mobilen Gerät spielen wollte, käme ein Steam Deck mit SteamOS näher an das heran, was ich von einem geschlossenen System erwarte: schnelles Aufwachen aus dem Suspend, Updates ohne Drama, Controller-Layouts, die ohne Bastelei funktionieren. Was Asus und Microsoft zusammen liefern, geht in die richtige Richtung — aber der Vorsprung von SteamOS bei genau diesen Alltagsdetails ist groß.
Was zur Computex realistisch zu erwarten ist
Eingrenzen lässt sich das Ganze relativ nüchtern: eine überarbeitete Hardware-Variante, mehr Feinschliff als Sprung, dazu eine kräftige Portion „Ubiquitous AI“ als Marketing-Klammer, deren Bedeutung im Handheld-Kontext bislang niemand schlüssig erklärt hat. Ob daraus ein Produkt wird, das gegen die SteamOS-Konkurrenz wirklich mithalten kann, hängt weniger an einer NPU im Chip als an Akkulaufzeit und Software-Politur. Wer auf einen echten Generationswechsel wartet, schaut besser auf Ryzen Z3 — und damit eher auf die zweite Jahreshälfte als auf die Messe nächste Woche.


