Alphabet hat den größten Aktienverkauf aller Zeiten platziert — 85 Milliarden Dollar, aufgeteilt in zwei Tranchen. Der erste Handelstag nach der Ankündigung: GOOGL minus zwei Prozent. Das klingt seltsam, ist aber Börsenmechanik: mehr Aktien bedeuten weniger Wert pro Stück. Was zählt, ist das Wohin.
Was hinter den 85 Milliarden steckt
Ursprünglich geplant war eine erste Tranche von 40 Milliarden Dollar. Die Nachfrage übertraf die Erwartungen; Alphabet stockte auf 45 Milliarden auf. Berkshire Hathaway kaufte 10 Milliarden davon. Der Rest floss über konvertierbare Vorzugsaktien und klassische Kapitalmarktemissionen ab. Eine zweite Tranche von 40 Milliarden ist für Herbst 2026 geplant — damit käme das Gesamtvolumen auf 85 Milliarden Dollar.
Dieser Wert übersteigt Petrobras‘ Kapitalerhöhung von 2010, die damals mit 70 Milliarden Dollar als Rekord galt. Größer war es seither nicht.
Wohin das Geld fließt, ist bekannt. Sundar Pichai beschrieb es auf X als „multi-year investment strategy to meet the AI opportunity ahead“. Konkreter: Für 2026 plant Alphabet Kapitalausgaben von 180 bis 190 Milliarden Dollar, fast ausschließlich für KI-Infrastruktur und Rechenzentren.
Meine Kunden laufen mit fünfstelligen IT-Budgets durchs Jahr. Dass ein einziger Konzern allein für den Infrastrukturausbau knapp 200 Milliarden ausgibt, lässt sich kaum in einen gemeinsamen Rahmen setzen. Relevant ist es trotzdem: Die Plattformen, auf denen Cloud-Dienste und KI-Assistenten laufen, werden in einem Tempo ausgebaut, das nichts mit organischem Wachstum zu tun hat.
725 Milliarden von vier Firmen: Das Wettrüsten in Zahlen
Alphabet ist nicht allein. Laut Analystenberechnungen wollen Google, Microsoft, Amazon und Meta zusammen rund 725 Milliarden Dollar investieren — ein Plus von 77 Prozent gegenüber 2025 (damals 410 Milliarden). Einzeln: Amazon führt mit etwa 200 Milliarden, Alphabet und Microsoft planen je rund 190 Milliarden, Meta liegt bei 125 bis 145 Milliarden. Microsoft hat öffentlich gemacht, dass allein 25 Milliarden davon auf gestiegene Chip- und Speicherpreise zurückgehen.
Das lässt sich als Vertrauensbeweis lesen — oder als kollektive Wette, die sich selbst antreibt: Wer bei dieser Infrastruktur-Runde nicht mitmacht, fehlt an Kapazität, wenn die KI-Nachfrage kommt. Das erzwingt Mitspielen, unabhängig von der eigenen Überzeugung.
Die überzeichnete erste Tranche sendet ein Signal über Alphabet hinaus. Institutionelle Investoren haben mehr Kapital zugesagt als angeboten wurde. Für Unternehmen wie Anthropic — IPO-Antrag bereits gestellt — oder OpenAI ist das kein schlechtes Vorzeichen. Ob die dabei entstehenden Bewertungen durch reale Gewinne gedeckt werden: Das beantwortet kein Aktienverkauf, egal wie rekordverdächtig er ausfällt.


