Hagen (ots) – Politischer Aschermittwoch 2010
Von Winfried Dolderer
Ob der Politische Aschermittwoch noch zeitgemäß ist, die Frage kann
man stellen. Jedenfalls in diesem Jahr und für diese Koalition.
Öffentliches Sticheln, Rüpeln, Dröhnen, wenn das traditionsgemäß
dazugehört, dann ist für Schwarze und Gelbe eigentlich immer
Politischer Aschermittwoch, sie brauchen dafür keinen besonderen
Termin. Längst hat man sich ja auch abgewöhnt, Appelle zur verbalen
Abrüstung im Regierungslager noch zur Kenntnis zu nehmen.
Insofern ist der gestrige Tag für die Koalition sogar glimpflich
verlaufen. Der CSU-Chef hat in der Sache die bekannten Dissenspunkte
zur FDP zwar bekräftigt, abgesehen von milder Ironie auf persönliche
Polemik aber weitgehend verzichtet. Der FDP-Chef hat seine sattsam
bekannten Hartz-IV-Thesen nochmals abgespult, aber ebenfalls in
gedämpfter Tonlage. Seehofer und Westerwelle, die Hauptmatadore, dass
das überhaupt so wahrgenommen werden konnte, sagt alles über den
Zustand der “Wunsch-Koalition”. Denn sollten sich an einem solchen
Tag die Feindseligkeiten nicht eigentlich zwischen Regierung und
Opposition abspielen?
Für den Zitatenschatz der Republik ist immerhin ein Ertrag zu
notieren, der dem neuerdings beliebten Fundus der klassischen Antike
entstammt: “Altrömischen Cäsarenwahn” hat der CSU-Generalsekretär dem
FDP-Chef bescheinigt. Wie gesagt, immerhin.
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