Hagen (ots) – Angela Merkel ist seit zehn Jahren CDU-Chefin
Von Bodo Zapp
Seit zehn Jahren steht Angela Merkel heute an der Spitze der CDU.
Innerparteilich ist ihre Führungsposition längst unangefochten,
international ist sie geachtet, manchen ist sie immer noch ein
Rätsel.
Wer bei ihrer Wahl an eine Übergangslösung dachte, hat die Rechnung
ohne die Wirtin gemacht. Eine Frau, aus dem Osten, ohne stützendes
Netzwerk – das kann nicht von Dauer sein, hofften Konkurrenten. Sie
haben sich geirrt und ihren Machtinstinkt unterschätzt, wie auch die
Wirkung ihres ganz besonderen Politikstils. So ging es wohl den
meisten Menschen.
Als Kanzlerin ist Angela Merkel auf dem Gipfel-Parkett eine Stimme
geworden, auf die man hört. Dass sie deutsche Interessen energisch
vertritt, wie etwa bei den Wegen aus der weltweiten Finanzkrise,
verschafft ihr auch bei denjenigen Respekt, denen das “Phänomen
Merkel” nach wie vor nicht ganz geheuer ist. Wofür steht sie
eigentlich?, lautet eine Anklagefrage der Kritiker. Für
Unaufgeregtheit, das steht fest.
Als Naturwissenschaftlerin (und naturbegabte Taktikerin) bedenkt
sie das Ende möglichen Handelns, bevor sie sich festlegt. Ich sage
aber auch, um die Lieblings-Redewendung der CDU-Chefin zu verwenden,
dass eine klarere Linie bei der Setzung des innenpolitischen Kurses
durchaus wünschenswert wäre.
“Ich sage aber auch” – das ist die Hintertüre der Frau, die
Aussitzen so gut beherrscht wie Kohl und großen Entwürfen so
skeptisch gegenübersteht wie Ex-Kanzler Schmidt: “Wer Visionen hat,
soll zum Arzt gehen”. Und abgewandelt gilt auch für sie die
Erfahrung: Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein zurücksteckender
Mann.
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