Bielefeld (ots) – Bruderschaft war gestern. Heute zählen in Moskau
nur noch Devisen.
»Bruderschaft« heißt die Pipeline, die bis heute den größten Teil
russischen Gases nach Westeuropa transportiert. Über weite Strecken
führt sie durch die Ukraine. Das schien Moskau, als es noch
Hauptstadt der Sowjetunion war, sicher. Doch seit Moskau nur noch das
Wohl Russlands im Sinn hat, ist die Pipeline nicht nur wegen des
Gasdiebstahls ein echtes Problem.
Die Ukraine ist der große Verlierer der künftigen Ostsee-Pipeline.
Das Baltikum und Polen, ebenfalls ehemalige Bruderstaaten Moskaus,
hätten von der alternativen Landverbindung profitiert. Doch wenn es
ums Geld geht, duldet der Kreml keine alten Familienmitglieder als
Mitesser.
Im gleichen Maß, in dem Deutschlands Gasversorgung durch die neue
Pipeline sicherer wird, wird die Abhängigkeit von Russlands Gazprom
größer. Umgekehrt sorgt Moskau bereits dafür, dass es durch neue
Abnehmer im Osten nicht gleichfalls von der EU abhängig wird.
Und Nabucco? Diese andere Pipeline, die Russland umgeht, ist
geopolitisch ein schöner Gedanke – aber realwirtschaftlich vermutlich
ohne Bedeutung.
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Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
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