Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur katholischen Kirche



Bielefeld (ots) – Die Katholische Kirche ist nicht gerade bekannt dafür, ihre Strategie nach Umfragen auszurichten. Folglich werden auch die jüngsten Befunde der Meinungsforscher kaum zu hektischen Reaktionen im Vatikan führen. Das ist gut, denn Demoskopie-Hörigkeit wird der Kirche kaum aus der Krise helfen. Gleichwohl täte der Vatikan gut daran, die neusten Zahlen genau zu studieren. Neben den sattsam bekannten Wünschen nach Reformen muss es die Kirchenlenker besonders nachdenklich stimmen, dass so viele Menschen den Umgang mit den Missbrauchsopfern noch immer für ungenügend halten. Andernfalls dürfte der Wunsch nach weiteren Gesten von Papst Benedikt XVI. bei seinem bevorstehenden Deutschland-Besuch nicht so groß sein. Dass die Quote der Kirchenaustritte trotzdem selbst im vom Missbrauchsthema dominierten Jahr 2010 unter einem Prozent und damit im Durchschnitt der letzten Dekade lag, sagt nur eines: Viele Katholiken zweifeln an ihrer Kirche, aber relativ wenige kehren ihr den Rücken. Noch. Die Kirche hat also keinen Grund zur Verzweiflung, erst recht aber nicht zur Selbstzufriedenheit.

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