Bielefeld (ots) – Das Internet verbindet mehr als 1,2 Milliarden
Menschen. 68 Prozent der Deutschen haben Zugang zum Netz. Das
weltumspannende Computernetzwerk ist der Motor von Veränderungen, die
in ihren Auswirkungen auf viele Teile des gesellschaftlichen Lebens
mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichbar sind – nur dass diese
Entwicklung ungleich dynamischer verläuft.
Inzwischen werden nicht mehr nur Bilder und Buchstaben über das
Internet transportiert. Man telefoniert (Voice over IP) oder schaut
sogar Fernsehen (IP-TV) über das Netz. Jetzt reden alle vom Web 2.0,
dem Mitmachinternet. Der Nutzer ist nicht länger nur Konsument,
sondern produziert auch eigene Inhalte: Videos für Youtube & Co.,
Meinungen in Foren und Blogs, Bewertungen auf Kundenportalen.
Voraussetzung für Ausflüge in die schöne, neue Welt des Internets ist
eine gut ausgebaute Datenautobahn mit genügend Spuren für den schnell
anschwellenden Verkehr.
Aber nicht alle, die wollen, können Gas geben. Fünf Millionen
Menschen in Deutschland sind bestenfalls auf der Kriechspur
unterwegs. Weiße Flecken auf der Breitband-Landkarte gibt es
besonders in den Randgebieten von Städten und in ländlichen Regionen
- auch in Ostwestfalen-Lippe. Bis 2010 sollen sie getilgt sein. Das
jedenfalls ist der Wille der Bundesregierung, die dafür auch tief in
die Tasche greift und Mittel aus einem Konjunkturpaket bereitstellen
will.
Erste Beratungen zwischen Regierung und Telekom-Branche sind jedoch
ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Die Wettbewerber der
Telekom fürchten – sicher nicht zu Unrecht -, dass der Exmonopolist
seinen Vorsprung auf Staatskosten ausbauen könnte.
Breitbandzugänge werden in Deutschland oft mit DSL-Anschlüssen
gleichgesetzt, die Bundesregierung hält eine
Übertragungsgeschwindigkeit von einem Megabit (eine Million Bit) pro
Sekunde für ausreichend. Um alle Möglichkeiten (Internet, VoIP,
IP-TV) nutzen zu können, sind allerdings sechs Megabit eher
angemessen. Sich mit weniger zufrieden zu geben, hieße, in eine auch
kurzfristig nicht zukunftssichere Technik zu investieren.
Glasfasernetze versprechen mittlerweile Datenraten von 50 Megabit pro
Sekunde. Dem Ausbau dieser Netze sollte unbedingt Vorrang eingeräumt
werden. Dazu gilt es, in der Fläche alle Alternativen auszuloten:
Fernsehkabel (in den USA das führende Breitbandvehikel), Funknetze
und die schnellen UMTS-Mobilfunknetze sowie Techniken wie Powerline,
die Datenübertragung über das Stromkabel.
Die Mittel aus dem Konjunkturpaket sind als Investition in die
Infrastruktur der Informationsgesellschaft gut angelegt. Der
Breitbandausbau darf nicht am Konkurrenzkampf der Konzerne scheitern.
Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass das Geld nicht in
veraltete Technik investiert wird und die beteiligten Unternehmen an
einem Strang ziehen. Den Hebel dafür hat die Politik: die Milliarden
aus dem Konjunkturpaket
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261
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