Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema "Angela Merkel – zehn Jahre Vorsitzende"



Bielefeld (ots) – Nach zehn Jahren als CDU-Parteivorsitzende ist
aus »Kohls Mädchen« längst »Mutti« geworden. Auch wenn manche diese
liebevollen Bezeichnungen nicht immer so nett meinen, wie sie sind,
gibt es keinen Zweifel: Angela Merkel ist die unumstrittene Nummer
eins ihrer CDU.
Merkel hat es geschafft, die Christdemokraten nach der Kohl-Ära auf
Kanzlerkurs zu bringen. Sie hat die CDU reformiert, gegen alle
Widerstände des konservativen Flügels. Als die Partei 1999 nach der
Spendenaffäre am Boden lag, modernisierte sie die CDU mit dem
notwendigen Augenmaß, aber auch mit zum Teil gravierenden
Einschnitten. Nicht zuletzt wird Merkel noch heute dafür kritisiert,
dass sie so einen klugen Kopf wie Friedrich Merz aussortiert hat.
Andere Rivalen haben sich entweder die Zähne an der Machtpolitikerin
ausgebissen oder Kreide gefressen.
Merkel ist eine Pragmatikerin, die trotz ihrer Verdienste noch immer
unterschätzt wird. Sie denkt nicht in Freund- und Fein-Kategorien,
sondern sie pflegt einen Debattenstil, der unter Freiheit auch ein
Stück Toleranz versteht und nicht zwanghaft unentwegt nach Gegnern
sucht. Das zeichnet sie aus, macht sie aber angreifbar. Denn selbst
Politiker aus den eigenen Reihen wünschten sich manchmal mehr
Machtwort, mehr Basta-Stil, mehr Härte statt eines Kurses, der zum
Teil vom Sowohl-als-auch-Stil, vom Moderieren statt Führen und von
einer Politik der kleinen Schritte statt klarer Kante geprägt
scheint.
Aber Merkel ist klug genug zu wissen, dass sie Wahlen nur mit einem
Kurs der Mitte gewinnen kann. So hat sie sich ihre CDU »gebaut« – die
CDU von damals gibt es nicht mehr. Daraus ist längst eine
Merkel-Partei geworden, mit Vor- und Nachteilen.
Merkel thront über Allem und Allen – als CDU-Chefin und als
Kanzlerin. Sie kritisiert sogar den Papst und nimmt auch sonst kein
Blatt vor den Mund, egal ob es in Moskau um den Tschetschenien-Krieg
oder in Washington um das Gefangenenlager Guantánamo geht. Sie hat
eine Stimme in der Welt. Die Vorsitzende ist das Aushängeschild der
Union – aber nicht wegen ihres Kurses, sondern weil sie die
Bundeskanzlerin ist.
Merkel ist unideologisch. Mal liberal, mal konservativ, mal
christlich-sozial, wie sie selbst sagt. Das kommt in der Partei nicht
immer gut an, doch ihren hervorragenden Beliebtheitswerten in der
Bevölkerung schaden solche Aussagen nicht. Die Menschen mögen Merkel,
weil sie ihr vertrauen.
Eine Feier anlässlich des Zehnjährigen wird es nicht geben. Merkel
ist bescheiden und fleißig. In der kommenden Woche reist sie in die
USA. Und danach ist Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen angesagt – mit
40 eigenen Wahlkampfauftritten! Merkels Ziel: der Wahlsieg in NRW –
mit ihrer CDU.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261  

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