Bielefeld (ots) – Aufklärung ohne Wenn und Aber hatte die Rektorin
der Odenwaldschule versprochen, nachdem vor vier Wochen die ersten
Hinweise auf massiven, jahrzehntelangen Missbrauch von Schülern
bekannt geworden waren. Schon damals war klar, dass es kaum bei den
anfänglichen etwa zehn Fällen bleiben würde. Doch das, was jetzt ans
Tageslicht kommt, übersteigt die schlimmsten Befürchtungen – auch,
wenn Beweise noch ausstehen. Ein Lehrer, unter dessen Augen ein
Schüler aufs Brutalste missbraucht worden sein soll. Mutmaßliche
Missbrauchsopfer, die Selbstmord begangen haben sollen. Behörden, die
frühzeitige Hinweise offenbar ignoriert haben: Immer neue Abgründe
tun sich auf. Jenseits von persönlicher Schuld wird ein System aus
Macht und Abhängigkeit, Wegsehen und Vertuschen offenbar, aus dem es
für die Opfer kein Entkommen gab.
Nun, endlich, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Ob sich die Taten am
Ende als strafrechtlich verjährt herausstellen, ist dabei
zweitrangig. Es geht zu allererst darum, den Opfern gerecht zu
werden. Sie haben viel zu lange darauf warten müssen.
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Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
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