Bielefeld (ots) – Wenn etwas funktioniert im politischen
Schlagabtausch, dann die Empörung. Ulla Schmidt (SPD) nutzt ihren
Dienstwagen in Spanien: schlimm! Angela Merkel (CDU) isst mit
Bankchef Josef Ackermann zu Abend: auch schlimm! Guido Westerwelle
(FDP) nimmt Unternehmer mit auf eine Reise: ganz schlimm!
Bei Schmidt und Merkel wurde aus der Skandalisierung am Ende gar
nichts. Die Dienstfahrt der damaligen Gesundheitsministerin bekam vom
Bundesrechnungshof das Siegel der Unbedenklichkeit; bei der Kanzlerin
traute sich angesichts der Unangemessenheit des Vorwurfs zu recht
niemand so weit vor. Nun wird beim Außenminister gewühlt.
Das Ziel scheint klar: Dem Mann, der sich mit seiner
Hartz-IV-Kampagne aus dem Fenster gelehnt hat, der selbst
Glaubwürdigkeit und Konsequenz einfordert, dem muss doch beizukommen
sein. Die Zwischenbilanz des medialen Abklopfens fällt aber mager
aus: Im Hinblick auf einen womöglich erhofften Vorwurf von
Amtsmissbrauch liegt nichts auf dem Tisch. Der Rest der Aufregung ist
getrieben von wahlweise Ablehnung gegenüber dem Mensch Westerwelle
oder politischem Kalkül.
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Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
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