Bielefeld (ots) – Wenige Tage vor dem Ende der Impfaktion gegen
die Neue Grippe (»Schweinegrippe«) hat NRW-Gesundheitsminister
Karl-Josef Laumann (CDU) die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
aufgefordert, die Maßstäbe für die Ausrufung einer Pandemie zu
ändern.
Die WHO habe die höchste Warnstufe lediglich damit begründet, dass
sich die Neue-Grippe-Viren weltweit ausbreiten, sagte Laumann dem in
Bielefeld erscheinenden “Westfalen-Blatt” (Dienstagsausgabe). Der
milde Verlauf der Infektionskrankheit sei dagegen nicht
berücksichtigt worden, kritisierte er. Das müsse sich ändern. Künftig
müsse die Gefährlichkeit einer Infektionskrankheit mit in die
Bewertung einfließen, forderte der CDU-Politiker. Schließlich habe es
bei der Schweinegrippe keine überfüllten Kliniken mit Schwerkranken
gegeben. Die Impfsaison endet an diesem Mittwoch.
Laumann sagte dem Blatt, zudem hätten nach Ausrufung der Pandemie
einige wenige Pharmahersteller Staaten unter Druck gesetzt, damit
massenhaft teurer Impfstoff gekauft werde. Er forderte im Gespräch
mit der Zeitung, dass sich Staaten bei der Beschaffung von Impfstoff
nicht länger erpressen ließen. Serum müsse im Bedarfsfall auf dem
ganz normalen Pharmamarkt zum Kauf angeboten werden. Doch bereits bei
der Vogelgrippe und beim Pockenschutz habe dies nicht funktioniert.
In allen drei Fällen seien die Staaten zum Kauf gezwungen worden.
Allein das Mittel Tamiflu gegen die Vogelgrippe habe 67 Millionen
Euro gekostet. Es sei damals für die Impfung von 30 Prozent der
NRW-Bevölkerung eingekauft worden.
Aufgrund des milden Verlaufs der Neuen Grippe blieben die Staaten
jetzt auf dem Serum Pandemrix sitzen. Allein NRW habe sieben
Millionen Impfdosen abnehmen müssen. Für sechs Millionen Dosen im
Wert von 50 Millionen Euro habe das Land derzeit keine Verwendung. Da
der Impfstoff 18 Monate haltbar sei, werde er zunächst nicht
vernichtet. Es sei aber fraglich, ob das Serum bei der nächsten
Neue-Grippe-Welle wieder eingesetzt werden könne.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
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Andreas Kolesch
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