Westdeutsche Zeitung: Wolfgang Niersbach beendet den Machtkampf im DFB = von Christoph Fischer



Düsseldorf (ots) – Mit der Kür von Wolfgang Niersbach hat der Deutsche Fußball-Bund einen drohenden Machtkampf im Keim erstickt. Die Kandidatur des amtierenden Generalsekretärs ist zugleich die letzte Niederlage des (noch) amtierenden Präsidenten Theo Zwanziger, der den ehemaligen Lenker des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart, Erwin Staudt, durchbringen wollte. Aber nicht konnte.

Dass Wolfgang Niersbach kandidiert, ist ein positives Signal für den Fußball. Nicht nur, dass Franz Beckenbauer einer seiner besten Freunde und Förderer ist. Das erscheint fast marginal angesichts der Tatsache, dass der gebürtige Düsseldorfer Niersbach Zeit seines Lebens ein Mann des Fußballs ist.

In seiner ersten Berufsphase war Niersbach ein überzeugter und überzeugender Journalist, vor allem aber immer ein überragender Kommunikator. Diejenigen, die das Glück gehabt haben, mit ihm zusammenzuarbeiten, wissen, dass der 61-Jährige ein Teamplayer ist, der aber immer genau wusste, was er wollte. Dass Niersbach Pressechef der Fußball-Europameisterschaft 1988 in Deutschland war, Mediendirektor des Deutschen Fußball-Bundes, Vizepräsident des Organisationskomitees der Erfolgsgeschichte Weltmeisterschaft 2006 und Generalsekretär, spricht für die Konsequenz seines Weges.

Niersbach wird als Funktionärsprofi bezeichnet, dabei ist er vor allem kein typischer Sportfunktionär. Niersbach ist einer für die nationale Aufgabe und die internationale Ausrichtung. Niersbach spricht fließend französisch, gut englisch und passabel spanisch, keiner im deutschen Fußball ist national und international besser vernetzt als er. Dass Niersbach sagt, das Präsidentenamt sei in seiner Lebensplanung ursprünglich nicht vorgesehen gewesen, spricht nicht gegen seine Eignung. Ganz im Gegenteil, Niersbach hat sich immer als Kapitän einer Mannschaft verstanden, weil er weiß, dass ein Solist diese Aufgabe gar nicht stemmen kann.

Die Kandidatur ist ein gewaltiger Schritt für ihn. Und trotzdem sagt Niersbach mit dem Selbstbewusstsein, das einer haben muss, wenn er diese Aufgabe übernimmt: “Ich traue mir dieses Amt zu.” Mit Niersbach beginnt eine neue Ära. Weil er ein neuer Typ Präsident sein wird. Der seine Chance nutzen will. Und kann.

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