Düsseldorf (ots) – Dass diese Quelle einmal versiegen könnte – das
hätte bis vor Kurzem kaum jemand geglaubt. Dieses Symbol für das
deutsche Wirtschaftswunder, für Unternehmertum und Pioniergeist soll
einfach vom Markt verschwinden? Der Untergang von Quelle ist eine
ganz bittere Geschichte, die weniger mit der Wirtschaftskrise zu tun
hat, dafür aber umso mehr mit gewissenlosen Managern sowie einer
glücklosen Erbin, die nun fast ihr ganzes Vermögen verloren hat.
Das Scheitern der Verkaufsverhandlungen zeigt zudem, wie desolat
die Lage bei Quelle wirklich ist. Das schmerzt besonders, weil sich
der Versandhandel zu einer Boombranche entwickelt hat. Nur nicht bei
Quelle. Viel zu lange hat die Firmenspitze am dicken Katalog
festhalten und viel zu spät den Sprung ins Internet gewagt. Viel zu
lange hat sie auf die wenig imageträchtigen Eigenprodukte und zu spät
auf Marken gesetzt. Trotz dieser Fehler hätte sie noch eine Chance
gehabt, das Ruder herumzureißen.
Doch die Fusion mit Karstadt war der Anfang vom Ende. Quelle-Erbin
Madeleine Schickedanz stürzte damit sich und ihre Mitarbeiter,
getrieben von ihren Beratern, ins Verderben. Mit der Fusion wuchs
zusammen, was gar nicht zusammengehörte – vereint unter dem Dach
eines seelenlosen Kunstnamens: Arcandor. Angebliche Top-Manager
bastelten sich diesen Konzern zusammen, ideenlos und ohne Ahnung vom
eigentlichen Geschäft.
Als der vermeintliche Arcandor-Retter Thomas Middelhoff Anfang des
Jahres das Unternehmen nach seiner Aussage “besenrein” verließ, fand
sein Nachfolger Karl-Gerhard Eick nur noch eine ausgeplünderte Hülle
vor. Für sein kurzes Intermezzo wurde er mit 15 Millionen Euro
fürstlich entlohnt. Während diejenigen also, die Quelle gegen die
Wand gefahren haben, längst mit dicken Abfindungen über alle Berge
sind, stehen Tausende von Mitarbeitern vor dem Nichts.
Auch die Politik spielte eine unrühmliche Rolle. Bayerns
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nutzte das Schicksal von
Quelle für wahltaktische Spielereien. Er ließ sich sogar mit dem
Quelle-Katalog in der Hand als Retter feiern, weil er nach langem Hin
und Her einen staatlichen Massekredit über 50 Millionen Euro für das
Unternehmen ertrotzt hatte. Doch auch damit war Quelle nicht mehr zu
retten.
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Westdeutsche Zeitung
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