Westdeutsche Zeitung: Seehofers Einladung an Guttenberg ist nicht mehr als Taktik = Von Lothar Leuschen



Düsseldorf (ots) – Die Sympathiewerte von Karl-Theodor zu Guttenberg sind in Deutschland immer noch erstaunlich hoch – trotz der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit, trotz der Aberkennung des Titels, trotz des voreiligen und gescheiterten Comebacks. Einem gewieften Taktiker wie Horst Seehofer bleibt so etwas nicht verborgen. Deshalb reicht der CSU-Vorsitzende dem gefallenen Hoffnungsträger seiner Partei nun offensiv die Hand. Dabei hat Guttenberg zuletzt auch nicht mit Kritik an Bayerns Konservativen gespart und soll sogar an die Gründung einer neuen Partei gedacht haben. Die Freien Wähler in Bayern liebäugelten damit, den Freiherrn in ihre Reihen zu holen.

All das ficht Seehofer nicht an. Er kann sich vorstellen, dass Guttenberg in der CSU wieder eine entscheidende Rolle spielt und sogar ein Ministeramt bekleidet. Das ist deutlich mehr, als viele Beobachter dem ehemaligen Superstar der Konservativen zutrauen oder zubilligen. Das weiß Seehofer natürlich auch. Doch die ausgestreckte Hand winkt ja nicht unbedingt freundschaftlich nach den USA, wo die Guttenbergs zumindest vorübergehend ein neues Zuhause gefunden haben. Der bayerische Ministerpräsident braucht den Mann, der als Wirtschafts- und als Verteidigungsminister im Kabinett von Angela Merkel Furore machte. Er braucht Guttenberg, weil seine Partei für die Landtagswahl 2013 einen Star benötigt.

Bayern ist nicht mehr unumstrittenes CSU-Land. Die SPD und die Grünen wittern Morgenluft, seit es bei den vergangenen Landtagswahlen gelungen ist, nach Jahrzehnten die absolute Mehrheit der Christsozialen zu brechen. Wie unzufrieden einstige Stammwähler mit der CSU sind, zeigt der Erfolg der Freien Wähler um die ehemalige CSU-Frau Gabriele Pauli. Und dass die SPD dank Münchens Oberbürgermeister Christian Ude erstmals seit langer Zeit einen vorzeigbaren Gegenkandidaten zum CSU-Ministerpräsidenten ins Rennen schicken wird, dürfte Seehofers Sehnsucht nach Guttenberg geschürt haben.

Dennoch könnte sich sein Plan als Bumerang erweisen. Durch den Freiherrn käme die CSU in Erklärungsnot gegenüber jenen, für die Abschreiben kein Kavaliersdelikt ist. Für enttäuschte CSU-Wähler wäre das keine Einladung zur Rückkehr.

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