Düsseldorf (ots) – Diese Studie des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages setzt früheren Pisa-Untersuchungen noch eins
drauf: Viele Schulabgänger haben nicht nur die bekannten Defizite in
Basisfächern wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Obendrein fehlt es jedem
Fünften an Charaktereigenschaften, ohne die ein Zusammenwirken am
Arbeitsplatz nicht möglich ist: Zuverlässigkeit, Fleiß, Ordnung,
Disziplin. Das, was in der jüngeren Vergangenheit verächtlich unter
“Sekundärtugenden” abgelegt wurde. Der Lehrbetrieb als
Reparaturwerkstatt für die Versäumnisse in Elternhaus und Schule –
ein deutsches Armutszeugnis.
Dass inzwischen jedes zweite Unternehmen Nachhilfe organisieren muss,
um seinen Nachwuchs überhaupt zu einer Ausbildung zu ertüchtigen,
geschieht natürlich auch im ureigenen Interesse. Wer weltweit
bestehen will, braucht qualifizierte Mitarbeiter. Die wollen und
sollen befähigt werden für ein befriedigendes Berufsleben – auf einem
weitaus besseren als Hartz-IV-Niveau. Was auch im Interesse unserer
Gesellschaft liegt, die von Steuern und Beiträgen zu diversen
sozialen Sicherungssystemen zehrt.
Die Ursachen für das Dilemma sind vielfältig. Erziehung ist
schleichend aus den Familien auf die Schule delegiert worden. Die
Gesellschaft hat einseitig das Lustprinzip gefördert und den
Freiheitsbegriff falsch verstanden. Zu den Ursachen gehört auch, dass
es nicht gelungen ist, Zuwanderer so zu integrieren, dass sie gleiche
Voraussetzungen haben wie Altersgenossen deutscher Herkunft.
Der größte Nachteil unseres Bildungssystems aber liegt in seiner
Zersplitterung – in der Tatsache, dass in 16 Bundesländern nach
unterschiedlichen Ideologien Bildungspolitik betrieben wird. Ständig
wird irgendwo Wahlkampf mit der Schule gemacht. Was am Ende
herauskommt, ist nicht selten der kleinste gemeinsame Nenner.
Das Bildungssystem aus dem vorigen Jahrhundert funktioniert nicht
mehr. Damit müssen sich nun schleunigst die politisch
Verantwortlichen auseinandersetzen, am besten die in der
Kultusministerkonferenz. Wenn sie den Bürger fragen: Einer
Allensbach-Studie zufolge wollen 61 Prozent der Deutschen, dass die
Bundesregierung für die Lehrpläne zuständig ist und schulische
Leistungen grenzenlos vergleichbar werden.
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