Westdeutsche Zeitung: Kurzarbeit = Von Christoph Lumme



Düsseldorf (ots) – Es ist eine kluge Entscheidung der
Arbeitsministerin, die Kurzarbeit zu verlängern: Erstens hat sich die
Wahl dieses Instruments in der schwersten Wirtschaftskrise der
Nachkriegszeit bisher bewährt. Zweitens kommt es den Staat zwar teuer
zu stehen, wenn er die Beschäftigungsbrücke Kurzarbeit baut – doch
der volkswirtschaftliche Schaden durch eine wuchernde
Massenarbeitslosigkeit wäre ungleich höher. Und drittens geht es nach
dem Absturz nun zwar wieder aufwärts, allerdings vorerst noch so
langsam, dass der Arbeitsmarkt diesen Stabilisierungsfaktor dringend
benötigt. Man könnte auch sagen: Im vergangenen Jahr lag die
Wirtschaft auf der Intensivstation, jetzt befindet sie sich in der
Reha-Klinik.
Es war an der Zeit, im dritten Jahr der Krise die meisten Maschinen
der Intensivmedizin abzuschalten. Die Abwrackprämie etwa wäre heute
reine Geldverschwendung, da die Autoindustrie ihre Depression
überwunden hat. Die teure Förderung der Kurzarbeit nun zu verlängern,
steht dazu aber nicht im Widerspruch. Denn erst langsam füllen sich
die Auftragsbücher der Firmen, noch immer leiden viele Unternehmen
unter einer geringen Auslastung.
Allerdings wird der Stabilisator Kurzarbeit nicht zu mehr Jobs
führen. Weil viele Entlassungen während der Krise nur durch
Kurzarbeit vermieden wurden, dürften die Unternehmen zunächst kaum
neue Stellen ausschreiben, sondern die bestehenden voll auslasten.
Überhaupt wäre es falsch, die Kurzarbeit als alleinige Stifterin des
Jobwunders zu glorifizieren. Dass Deutschland anders als viele andere
europäische Staaten keine drastische Zunahme der Erwerbslosigkeit
verzeichnet, liegt in erster Linie an den Arbeitsmarktreformen der
Ära Schröder, aber auch an der besonnenen Reaktion der Unternehmer.
Die retten ihre eigenen Leute über die Krise, weil sie aus eigener
Erfahrung wissen: Wer in schlechten Zeiten seine guten Leute feuert,
findet im Aufschwung nicht schnell genug neue Mitarbeiter.
Die Bundesregierung sollte nicht vergessen, dass die Reha-Maßnahme
Kurzarbeit zwar derzeit unverzichtbar ist, die Steuerzahler dafür
aber einen hohen Preis zahlen – spätestens im Jahr 2013 muss der
Patient wieder auf eigenen Beinen stehen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de  

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