Westdeutsche Zeitung: In diesem Winter ist vieles nur schwer zu verstehen Wenn eine Nicht-Katastrophe nervt = von Martin Vogler



Düsseldorf (ots) – Kommt diese Meldung wirklich aus Deutschland,
diesem vermeintlich stets gut organisierten Land? Wir sperren 52
Kilometer einer wichtigen Autobahn. Nicht etwa, weil wir eine
richtige Wetterkatastrophe hätten, sondern weil den Streudiensten das
Salz ausgeht – und es deshalb zu mehreren schweren Unfällen kommt.
Bereits seit Samstagnachmittag müssen Tausende, die gerne die A 44
benutzen würden, weite Umwege über andere Autobahnen wählen oder sich
über parallele Landstraßen quälen. Das kostet schon am Wochenende
Nerven, Zeit und Geld. Falls die Sperrung heute bleibt, ist das um so
schlimmer – und wie so vieles in diesem Winter nur schwer zu
verstehen.
Denn die Tatsache, dass im Januar und Februar in Deutschland Schnee
vom Himmel fallen kann und das Thermometer tagelang im Minusbereich
verharrt, ist so überraschend nicht. Vielleicht wurden die
Streudienste ja durch milde Winter der vergangen Jahre eingelullt?
Doch es leuchtet schwer ein, warum sie vielerorts derart hilflos
reagieren. Sie überlassen oft Straßen und Bürger sich selbst. Nach
der Devise, der Winter war bislang schon teuer genug, sollen die
Leute jetzt doch schauen, wie sie klar kommen.
Für die Menschen ist das bitter. Ihre verlorene Zeit, entgangene
Geschäfte oder Unfallschäden am Auto ersetzt ihnen in der Regel
niemand. Von Verletzungen oder gar Tod gar nicht zu reden. Und mit
der nächsten Heizkostenabrechnung droht eine weitere böse
Überraschung. Die Nachzahlung wird deftig.
Verständlich also, wenn sich jetzt die meisten nach Frühling, Sonne
und Wärme sehnen. Denn es war wochenlang kälter und schneereicher als
aus den vergangenen Jahren gewohnt. Dennoch dürften wir das Erlebte
nicht als Katastrophe dramatisieren. Es ist halt ein etwas
kräftigerer Winter, mit dem nicht jeder, siehe Streudienste, optimal
umgeht.
Ein interessanter Nebenaspekt: Schlagworte wie Klimaerwärmung oder
Treibhauseffekt sind derzeit aus der öffentlichen Diskussion so gut
wie verschwunden. Doch leider wissen wir, dass das, was wir derzeit
erleben, unser Gewissen nicht beruhigen kann. Spätestens mit dem
ersten Frühlingshauch werden uns mahnende Wissenschaftler wieder den
Unterschied zwischen Wetter und Klima erklären.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de  

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