Westdeutsche Zeitung: Gewaltproblem im Fußball = von Christoph Fischer



Düsseldorf (ots) – Natürlich hat der Deutsche Fußball-Bund die Zweitliga-Begegnung zwischen Fortuna Düsseldorf und Dynamo Dresden als “Risikospiel” eingestuft. Weil Dresden das dem Verein zustehende Kartenkontigent nicht ausschöpfte, blieb es weitestgehend ruhig. Aufgrund ihrer umfangreichen Erfahrungswerte hatten die Einsatzleiter auch nicht mit Randale gerechnet.

In der Politik sieht das anders aus. Leute, die bisher öffentlich noch nicht weiter aufgefallen sind, fühlen sich motiviert, drakonische Strafen zu fordern. Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie will ein lebenslanges Stadionverbot für verurteilte Fußball-Rowdys. Weil die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichten. Man weiß nicht, wann Klaus Schlie zuletzt im Stadion war, auch nicht, was ihn zu dieser Forderung veranlasst hat, aber er wird nicht der letzte sein, der sie erhebt.

Die Gewaltdiskussion im deutschen Fußball erfolgt aller Erfahrung nach in Wellen. Vereinfacht betrachtet, fing das in den 80er Jahren mit der Heysel-Katastrophe und der Europameisterschaft 1988 an, setzte sich in den 90er Jahren mit der Weltmeisterschaft in Italien und der Hillsborough-Katastrophe fort. Und lebte auf, als rechtsradikale Elemente vorwiegend im Osten Deutschlands den Fußball als ihre Bühne (wieder-) entdeckten.

Vermutlich wird sich daran wenig ändern. Dass Dynamo Dresden wegen fortgesetzter Gewalttätigkeiten ein Jahr Abstinenz im DFB-Pokal in Aussicht gestellt wird, ist nachvollziehbar. Das würde den Klub, der das Problem nicht in den Griff bekommt, finanziell treffen. Und damit empfindlich. Warum wartet die Politik nicht erst einmal ab, wie sich das auswirkt? Und denkt vielleicht auch noch einmal darüber nach, Fanprojekte in Deutschland weiter zu kultivieren und vor allem die Kontingente der Polizeikräfte nicht ständig zu reduzieren.

Das Gewaltproblem ist ein gesellschaftliches Problem wie das Dopingproblem. Patentlösungen gibt es für diese Art von Problemen nicht. Es geht aber um ein Mindestmaß an gesellschaftlichem Konsens. Politische Forderungen nach neuen Strafenkatalogen sind in diesem Zusammenhang nur populistisch. Aber nicht zielführend.

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