Düsseldorf (ots) – Dass hinter einem Formel 1-Team ein
überdimensionierter Kostenapparat für ein Wirtschaftsunternehmen
steht, ist bekannt, wird aber allzu schnell vergessen. Die Formel 1
ist ein Luxusprodukt, das in der Wirtschaftskrise notwendigerweise
kritisch und mit steigendem Umweltbewusstsein sogar missliebig beäugt
wird – und dadurch kontraproduktiv wirkt. Wo in sorgenlosen Zeiten
sportliche Spannung und technischer Fortschritt bejubelt werden,
steht in Krisenzeiten die Frage von Arbeitnehmern und
sensibilisierten Kunden im Vordergrund, ob angesichts von
Kurzarbeits-Perioden im Unternehmen Ausgaben von 350 Millionen Euro
für den Sport angebracht sind. Dass daraus nach dem Ausstieg Hondas
im vergangenen Jahr nun auch bei BMW Konsequenzen erwachsen, die die
Konzernleitung “strategische Neuausrichtung” nennt, ist verständlich.
Allein in Deutschland beschäftigt BMW fast 78 500 Mitarbeiter, denen
die Führung überbordende Investitionen in ein Prestigeobjekt
vermitteln muss. Es sind keine guten Zeiten für ausufernde
Marketingausgaben. Schon gar nicht, wenn sie sich aufgrund
ausbleibenden sportlichen Erfolgs niemals refinanzieren lassen. Denn
die laufende WM-Saison ist für das BMW Sauber F1 Team eine einzige
Enttäuschung. Weder der Fahrer Heidfeld noch Kubica rangieren unter
den zehn besten Fahrern, in der Konstrukteurswertung, die BMW Sauber
2007 noch als Zweiter beendet hatte, ist das Team Drittletzter. So
schlägt Werbung für die Spitzentechnologie der BMW-Autos ins
Gegenteil um.
Und zuletzt wird den Vorstand auch die zum großen Teil selbst
verantwortete Krise der Königsklasse zermürbt haben. Das vermeintlich
edle Produkt droht in der seit Monaten offen ausgetragenen
Auseinandersetzung zwischen dem Internationalen Automobilverband
(Fia) und der Vereinigung der Teams (Fota) um Budgetobergrenzen
endgültig zerrieben zu werden. Dass der brüchige Friede in diesen
Tagen zu einem “Concorde Agreement” führen soll, in dem sich die
Teams für weitere drei Jahre der Königsklasse verpflichten sollen,
wird die Entscheidung der Bayern vorangetrieben haben. Allein die
Notwendigkeit dieser Bindung zeigt, auf welch dünnem Seil die
Königsklasse balanciert.
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