Westdeutsche Zeitung: Der Euro = von Lothar Leuschen



Düsseldorf (ots) – Auch im Jahr elf der Einheitswährung ist es
nicht leicht, mit dem Euro richtig warm zu werden. Vielerorts wird an
bestimmten Tagen im Einzelhandel noch in guten alten D-Mark-Zeiten
geschwelgt, kratzen Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel
die allerletzten Pfennige und Zehnmark-Scheine zusammen. Und dann ist
er wieder da, der Deutschen einstmals ganzer Stolz. Nichts war so
stark, beständig und sicher wie die D-Mark. Der Euro wird es deshalb
vor allem in Deutschland schwer haben, sich einen ähnlich guten Ruf
zu erarbeiten. Zu Recht? Nein, eher zu Unrecht. Der Euro hat sich
wider allgemeinem Erwarten zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Selbst
an den etwas sperrigen Namen, den Theo Waigel dem Zahlungsmittel
einst verpasste, haben sich die allermeisten inzwischen gewöhnt. Der
Euro ist sicher. Er ist stabil, wenn auch nicht mehr so stabil wie
die D-Mark es war.
So schwankungsfrei wie die Mark kann die Europawährung nicht sein,
weil sich ihr Wert auch an der Wirtschaftsleistung anderer Staaten
bemisst. Umso bemerkenswerter ist, dass der Euro trotz Sorgenkindern
wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien ein gutes,
vernünftiges Gegengewicht zum Dollar darstellt. Der aktuelle Sinkflug
des Euro gibt noch nicht zu Sorgen Anlass. Experten sehen das
Zahlungsmittel bei 1,30 Dollar pro Euro gut eingependelt. Derzeit
liegt er leicht darüber.
Jetzt ist er günstig genug, um den für Deutschland wichtigen Export
zu beflügeln. Und er ist trotz der hohen Staatsschulden noch stark
genug, die Ersparnisse der Europäer in der Währungsunion nicht zu
sehr zu entwerten.
Kurzum: Der Euro hat Vertrauen verdient. Aber er muss es sich täglich
neu erarbeiten. Deshalb sind die Regierungen der Eurozone gut
beraten, verlässliche Wirtschaftspolitik zu machen. Mindestens ebenso
bedeutend wird es sein, die fast erdrückenden Schulden abzubauen.
Das Bekenntnis zu einer Währung schreit nach einem Bekenntnis zu
einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik. Sonst bleibt der Euro abhängig
davon, dass beispielsweise die Griechen und die Italiener freiwillig
dieselbe Ausgabendisziplin an den Tag legen wie etwa die Österreicher
und die Niederländer. Und das tut ihm auf Dauer nicht gut.

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Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
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