Düsseldorf (ots) – Nicht nur die vielen Jugendlichen mit ihren
grünen Armbändern in Teheran hätten sich ein anderes Ergebnis der
Präsidentenwahl gewünscht. Auch in Washington, Berlin oder Brüssel
hatte man gehofft, Hussein Mussawi werde den ungeliebten
Ahmadinedschad zumindest in die Stichwahl zwingen. Die Mobilisierung
vor allem der jungen gebildeten Frauen und die Härte eines für
islamische Länder beispiellosen Wahlkampfes schienen die westlichen
Umfragen, die Ahmadinedschad weit vor Mussawi liegen sahen, Lügen zu
strafen. Alles nur westliches Wunschdenken? Oder dreiste Manipulation
einer bösartigen Theokratie, wie es die unterlegene Opposition sieht?
Das Bild in den wohlhabenden Vierteln Teherans, wo eine freizügige
Mittelstandsjugend im Wahlkampf die Straße bestimmte, wurde offenbar
für das ganze Land genommen. Aber schon in den ärmeren Stadtteilen
der Hauptstadt und erst recht auf dem Land sah die Lage ganz anders
aus. Hier galt Ahmadinedschad nicht als der “Irre von Teheran”,
sondern als ehrliche Haut. Seine Versprechen, soziale Gerechtigkeit
zu schaffen – schon der Grund seines Wahlsieges vor vier Jahren –
blieben weiter glaubwürdig. Seine Reisen in die Provinzen, stets von
Geschenken begleitet und von der Opposition als “Almosenpolitik”
verspottet, hatten durchaus die erhoffte Wirkung. Umgehungsstraßen,
Schulen oder “Märtyrer-Pensionen” ersetzen zwar keine durchdachte
Entwicklungspolitik. Aber kaum ein Iraner wird seine Wahlentscheidung
davon abhängig gemacht haben, wen Washington wohl lieber im Amt sähe.
In der Atomfrage wäre übrigens auch ein Präsident Mussawi gewiss kein
einfacherer Partner gewesen. Nicht ohne Grund begrüßen deshalb
Hardliner in den USA und Israel Ahmadinedschads Sieg.
Was bleibt, ist ein tief gespaltenes Land. Und ein nicht geringer
Teil der städtischen Jugend, der sich nicht nur um einen
vermeintlichen Wahlsieg, sondern auch um seine Zukunft betrogen
sieht. Eine Jugend, die sich die Freiheiten des Wahlkampfes nicht
einfach wieder wird nehmen lassen und nach der Wahl wohl endgültig in
die Fundamentalopposition zum Mullahregime geprügelt wurde. Und das
könnte auf lange Sicht für die Machthaber gefährlicher sein als alle
unsinnigen Sanktionen.
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