Weser-Kurier: Der "Weser-Kurier" (Bremen) kommentiert in seiner Ausgabe vom 20. November 2009 die ersten Amtswochen von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg:



Bremen (ots) – Der richtige Mann
von Joerg Helge Wagner
Für manche macht er ja fast schon eine zu gute Figur: Karl-Theodor zu
Guttenberg, der neue Bundesminister für Verteidigung. Verteidigung?
Der Mann liebt eher die Attacke, und deshalb mögen ihn die Soldaten
ebenso wie die Medien. Das hat es in dem Maße – vor allem nach so
kurzer Zeit – weder bei Rühe noch bei Struck gegeben, von Scharping
und Jung ganz zu schweigen. Nun kann man bei einem schwachen
Vorgänger immer schnell glänzen, aber offenbar ist mehr dahinter: das
allgemeine Empfinden, dass mit Guttenberg wirklich einmal der
richtige Mann auf dem richtigen Posten ist.
Um diesen Eindruck zu prüfen, muss man zweimal hinsehen: auf das, was
Guttenberg in knapp vier Amtswochen schon getan hat, und auf das, was
er in den kommenden vier Jahren bewältigen muss.
Guttenbergs bisherige Verdienste lassen sich in einem Wort
zusammenfassen: Klartext. Er nennt den Einsatz in Afghanistan
“kriegsähnlich”. Er fordert vom dortigen Präsidenten Karsai, dass er
Korruption bekämpft und Konzepte “liefert”. Er hält die Bombardierung
gekaperter Tanklaster trotz aller mutmaßlichen zivilen Opfer für
“militärisch angemessen” und den Militär-Airbus A400M wegen der
verzögerten Auslieferung für zu teuer. Die deutsch-französische
Brigade müsse offensiver ausgerichtet und die Bundeswehr von
“bürokratischen Fesseln befreit” werden. Dem ganzen Laden verordnet
er “Denken vom Einsatz” her, mehr Effizienz, schlankere Strukturen.
Nun befindet sich die Truppe seit etlichen Jahren in einem Prozess
der “Transformation”, aber der neue Chef will dabei offenbar richtig
Gas geben. Eine wichtige Voraussetzung hat er: den Respekt der
Militärs. Der Neue hat selbst bei einer Elite-Einheit gedient, von
dem können sie Verständnis erwarten, aber ihm nichts vormachen. Denn
in erster Linie ist Guttenberg natürlich nicht Reservist, sondern
Politiker – entsprechend betont er den Primat der Politik: Lediglich
mehr Soldaten seien keine Lösung für Afghanistan.
Da wird ihm keiner mehr widersprechen. Gleichwohl wird er genau dies
tun müssen: mehr Soldaten schicken – genau so viele, dass die
Militärs vor Ort und die Verbündeten zufrieden sind, der politische
Rückhalt in Deutschland aber erhalten bleibt. Als die Kommandeure in
Kundus 1000 Mann forderten, hat er 120 zugesagt – aber umgehend, ohne
lange Rückversicherung bei der Kanzlerin. Der Mann geht keiner
notwendigen Auseinandersetzung aus dem Weg, kalkuliert aber vorher
genau die Risiken – keine schlechte Strategie für den permanenten
Ernstfall.

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Weser-Kurier
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