Werte-orientiert wirtschaften Genossenschaftsverband verzeichnet Anstieg von Neugründungen / Mitgliederversammlung in Hannover: "Hände weg vom genossenschaftlichen Selbsthilfesystem!"



Hannover (ots) – Ein gutes Jahr nach der Fusion der Genossenschaftsverbände Frankfurt und Hannover zog Verbandspräsident Michael Bockelmann auf der heutigen Mitgliederversammlung des Genossenschaftsverbandes e.V. in Hannover für seine rund 1.800 Mitgliedsgenossenschaften bei der Vorstellung des Jahresberichtes eine positive Bilanz. Vor rund 700 Delegierten sowie Gästen aus Politik und Wirtschaft betonte Bockelmann, dass der Verband auf einem guten Weg sei. Die durch die Fusion anvisierten jährlichen Einsparungen von 4 Mio. Euro würden wie geplant eins zu eins an die Genossenschaften weitergegeben.

Deutliche Worte richtete Bockelmann an die Politik: “Genossenschaften arbeiten in besonderer Weise werteorientiert für ihre Mitglieder. Das Nachhaltigkeits- und Förderprinzip zeichnet sie aus und macht sie einzigartig. Im Gegenzug hat die Geldgetriebenheit des Shareholder Value zulasten der Gläubiger und schließlich auf Kosten der Arbeitnehmer und Steuerzahler die Finanzkrise verursacht, und zwar von denen, die kein Interesse an langfristigen Unternehmensentwicklungen hätten.” Im Hinblick auf die Bankenabgabe forderte er. “Hände weg vom genossenschaftlichen Selbsthilfesystem. Unsere Banken waren nicht die Verursacher der Finanzkrise. Im Gegenteil: Sie haben einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Systemstabilität in der Krise geleistet und weder in der Vergangenheit noch aktuell staatliche Rettungsmaßnahmen in Anspruch genommen. Die Einlagen- und Institutssicherung der Volksbanken und Raiffeisenbanken verfügt über das älteste Schutzsystem in Deutschland: Seit 1934 hat es noch nie eine Insolvenz einer Mitgliedsbank des genossenschaftlichen Finanzverbunds gegeben. Daher sollten Genossenschaftsbanken nicht zusammen in eine Risikogemeinschaft mit global tätigen Großbanken zur Krisenprävention herangezogen werden.”

Der Erfolg gibt den Genossenschaften Rückenwind: So sei es auch kein Zufall, dass der Verband im laufenden Jahr 100 genossenschaftliche Neugründungen – insbesondere in den Bereichen Energie, Gesundheit und Bildung – betreut und begleitet. “Hier ist die Stunde der kreativen Kommunen und Bürger gekommen, die zusammen mit der Wirtschaft gerade vor dem Hintergrund leerer öffentlicher Kassen als genossenschaftliche Kooperationen Infrastrukturangebote aufrecht erhalten und bürgernah weiterführen. Natürlich können Genossenschaftsgründungen die Finanznot der Städte und Gemeinden nicht lösen, doch sie bieten zukunftsweisende Möglichkeiten für die öffentliche Hand, Aufgaben im Sinne und unter Beteiligung der Bürger auszulagern”, so Bockelmann.

Für die rund 340 dem Verband angeschlossenen Volksbanken Raiffeisenbanken war 2009 ein durchaus gutes Jahr. Das Kreditwachstum von 3,3 Prozent trotz eines rückläufigen Bruttoinlandsproduktes von 5 Prozent ist besonders bemerkenswert. Zudem war und ist bei den Volksbanken Raiffeisenbanken von einer Kreditklemme nicht die Rede.

Ein Abwärtstrend zeige sich bei der Agrarwirtschaft: “Das Jahr 2009 bedeutete für die gesamte Agrarwirtschaft und unsere knapp 1.000 Genossenschaften eine Rückkehr zu den fundamentalen betriebswirtschaftlichen Faktoren Angebot und Nachfrage. Auf einen fast dreijährigen Anstieg der Agrarpreise erfolgte ein Absturz. Jeder konnte und musste wahrnehmen, dass sich die Märkte mitsamt den Preisen nicht ständig nach oben entwickeln konnten.”

Beschleunigt wurde dieser Abwärtstrend durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise. Bockelmann: “Der Preisverfall bei den Agrarprodukten hatte seine maßgebliche Ursache weniger in der globalen Wirtschaftskrise, sondern vielmehr in der guten Versorgungslage. So führten die hohen Preise der Vorjahre weltweit zu einer Ausweitung der Produktion. Gleichzeitig stiegen die Preise für Nahrungsmittel, was die Nachfrage dämpfte.” Den Preisschock hätten die Agrarmärkte mittlerweile einigermaßen verdaut. Besonders im Milchbereich sind Nachfrage und Preise zugunsten unserer Molkereigenossenschaften und deren Milchbauern deutlich gestiegen.

Der Genossenschaftsverband e.V. ist Prüfungs- und Beratungsverband, Bildungsträger und Interessenvertreter für mehr als 1.800 Mitgliedsgenossenschaften. Der Verband betreut Unternehmen aus den Bereichen Kreditwirtschaft, Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Dienstleistung in 13 Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen) mit mehr als vier Millionen Mitgliedern und 88.000 Arbeitsplätzen. Der Genossenschaftsverband wird vertreten durch den Verbandspräsidenten Michael Bockelmann und die Verbandsdirektoren Martin Bonow, Horst Kessel, Horst Mathes und Edgar Schneider.

Pressekontakt:

Ute Delimat
Tel.: 069 6978-492
EMail: ute.delimat@genossenschaftsverband.de
Internet: www.genossenschaftsverband.de

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