WAZ: Zynisch und völlig überflüssig – Kommentar von Thomas Wels



Essen (ots) – Jeder, der den Finanzalchimisten bei der Deutschen Bank von vornherein skrupelloses Raubrittertum unterstellt, dürfte sich bestätigt fühlen. Eine Wette auf die Lebensdauer von 500 Menschen anzubieten, ist menschenverachtend und wirft ein bezeichnendes Licht auf den Wahnsinn, der in manchen Entwicklungsabteilungen der Banken grassiert. Das Prinzip der wirren Anlage: Leben die 500 Referenzpersonen länger als vom Gutachter geschätzt, sinkt die Rendite des Anlagefonds “db Kompass Life 3″. Man kann sich bildhaft vorstellen, wie Fondsmanager angesichts des an sich erfreulichen Überlebens den Anlegern ihr Bedauern über ausbleibende Ausschüttungen ausdrücken. Pure Zockerei losgelöst von echten Werten – dieser Finanzkapitalismus gefährdet die Marktwirtschaft. Lebensversicherungen oder der Rückkauf von Lebenspolicen durch ähnlich gestrickte Fonds sind zwar finanzmathematisch ebenfalls Wetten auf den Tod. Sie haben aber einen Sinn, auch für Sterbenskranke, die zu Lebzeiten über einen Teil der Versicherungssumme verfügen wollen. Die zynische Deutsche-Bank-Wette braucht kein Mensch.

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