WAZ: Züge von Panik – Kommentar von Theo Schumacher



Essen (ots) – Die SPD, so erklärt es ihre Generalsekretärin, will “die Fenster aufmachen”, damit die Mitarbeit in der Partei wieder Spaß macht. Sie muss aber aufpassen, dass sich die Mitgliedschaft dabei nicht eine Erkältung holt. Denn die Beitragszahler sorgen sich um den Mehrwert ihres Parteibuchs, wenn Externe künftig ähnliche Rechte haben wie sie. Und wenn die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der SPD zur Volksabstimmung wird, bei der jeder mitmachen kann. Der Plan greift tief ein in das Selbstverständnis von Parteien. Und er trägt Züge von Panik bei den Sozialdemokraten, die bei der letzten Bundestagswahl nicht über die 23-Prozent-Marke hinauskamen. Öffnung ist richtig, aber in Maßen. Die SPD lebt vor allem von jenen, die sich als Mitglieder einbringen. Sie sind es, die bei wichtigen Beschlüssen stärker eingebunden sein wollen. Seit den 70er-Jahren hat die SPD die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Sie sollte die Verbliebenen nicht verprellen. Die Partei steckt nicht im Umfragekeller fest, weil sie ein Organisationsproblem hat, sondern weil ihr Ideen sowie ein attraktives politisches Angebot fehlen. Darum muss sie sich in erster Linie kümmern.

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