Essen (ots) – Solange sich die Missbrauchsvorwürfe auf katholische
Institutionen beschränkten, war die Ursachenklärung einfach: Es ist
die verklemmte Sexualmoral, verursacht durch das Zölibat, dem sich
Patres und Priester unterwerfen müssen. Doch nun ist es eine
Reformschule, die am Pranger steht, und was ehemalige Schüler von
dort berichten, ist nicht minder schockierend.
Ein sexualisiertes Klima soll damals an der Schule geherrscht
haben und die Angst, als Spießer geächtet zu werden, wenn man etwas
gegen die Übergriffe sagte.
Bei den Jesuiten war es die Erziehung voller Tabus und
Heimlichkeiten hinter dicken Mauern, die es den Tätern leicht machte.
In der Odenwaldschule wollte man die Tabus überwinden, was wohl zu
neuem Zwang und Missbrauch führte.
Natürlich müssen nun die Verantwortlichen lückenlos die Taten
aufklären. Runde Tische sind gut und wichtig, Entschädigungen für
die Opfer, Strafen für die noch lebenden Täter auch. Doch mit
derartigen Aktionen ist es bei weitem nicht getan.
Was war in den 60er-, 70er-, 80er-Jahren bloß los? Diese Debatte
muss nun geführt werden, will man das Klima, in dem Missbrauch
entsteht, aufarbeiten. Denn nur durch ein kollektives Wegsehen der
Kirchen, Institutsleitungen und auch der Eltern ist es möglich,
Kinder zu quälen, zu demütigen und zu missbrauchen.
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