Essen (ots) – Im Mittelalter drohte Homosexuellen die Todesstrafe.
Unter Hitler warteten bis zu zehn Jahren Kerkerhaft auf Homosexuelle.
Die Bundesrepublik reformierte erst 1969 erstmals den
Nazi-175-Paragrafen; schaffte zwar erst 1994, aber immerhin den
“Schwulenparagrafen” ganz ab – ein gewisser zivilisatorischer
Fortschritt lässt sich erkennen.
Freilich wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis Lesben und Schwule
gesellschaftlich voll anerkannt sind. Auch das selbstgewählte und
selbstbewusste “Outen” von Prominenten wie Anne Will, Guido
Westerwelle oder Klaus Wowereit hilft nur bedingt: Stigmatisierungen
sind zäh.
Umso schlimmer, wenn ein Gottesmann das Ausüben
gleichgeschlechtlicher Liebe mit Sünde gleichsetzt. Wer kennt, wen
stört schon der theologische, aber völlig lebensfremde Unterschied,
dass die katholische Kirche zwar Homosexuelle anerkennt, nicht aber
praktizierte homoerotische Liebe? Als Eindruck bleibt: Homosexuelle
werden von der Kirche verteufelt.
Das macht das Dasein der Betroffenen, die vielen Anfeindungen
ausgesetzt sind, nicht leichter. Und das konterkariert jede bereits
erreichte Liberalität. Aber auch für die Kirche gilt: Sie muss in der
Lebenswirklichkeit ankommen. Gleich an der Christopher Street
Day-Parade teilnehmen müssen ihre Vertreter ja nicht.
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