WAZ: Vettel und die Frage der Freiheit. Kommentar von Walter Brühl



Essen (ots) – Freie Fahrt für beide Fahrer! Das signalisiert Red Bull vor dem Formel-1-Finale in Abu Dhabi. Nur: Wie frei ist Sebastian Vettel in seiner Entscheidung wirklich, wenn er plötzlich vor seinem Teamkollegen Mark Webber und dem Ferrari-Rivalen Fernando Alonso liegt? Bleibt ihm dann wirklich eine andere Wahl, als Webber vorbeizulassen und so zum Weltmeister zu machen?

Eine eigene Chance hätte er bei dieser Konstellation nicht mehr. Mag ja sein, dass nicht einmal hinter verschlossenen Türen jemand von Vettel verlangt, den möglichen Grand-Prix-Sieg für den WM-Triumph des Kollegen zu opfern. Aber: Verständnis würde wahrscheinlich kein Mensch aufbringen, sollte er in dieser Situation die eigenen Interessen über die des Kollegen und seines Teams stellen.

In Webber hätte Vettel zudem einen erbitterten Feind fürs Leben. Er dürfte im nächsten Jahr – der Australier steht auch für 2011 bei Red Bull unter Vertrag – keinerlei Hilfe des Teamkollegen erwarten. Die beiden sind zwar nie als Freunde aufgefallen, aber eine großzügige Geste von Vettel würde Webber in einem so entscheidenden Moment seiner Karriere wohl auch nicht so schnell vergessen.

Mit der Hilfe für Webber hilft sich Vettel auch selbst. Im anderen Fall würde er dem Teamkollegen die WM vermasseln, ohne selbst etwas davon zu haben. Das hat es in der Formel 1 noch nie gegeben. Vettel weiß dies genau. Dass ihm die Konsequenzen nicht viel Freude machen würden, steht auf einem anderen Blatt.

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