Essen (ots) – Übersetzer sind die Nachtschattengewächse des
Literaturbetriebs. Das ist so und es ist so naiv wie ungerecht. Denn
was ihnen bestenfalls glückt, ist das Zusammentreffen von
Neuschöpfung und Nachdichtung. Sie finden andere und doch gleiche
Schwingen für, scheint’s, unübersetzbare geflügelte Worte. Sie
balancieren mit den Pfunden fremder Poesie, um am Ende einen
Bestseller nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein Wunder
eigentlich.
Ein schönes Beispiel dafür, dass Übersetzen mehr ist als eloquente
Dolmetscherei, wird aus Dresden vermeldet. Dort arbeitet derzeit die
Schwedin Aimée Delblanc an der Übersetzung von Uwe Tellkamps “Der
Turm”. Delblanc will in Dresden Orte der Romanhandlung dieser
großen DDR-Elegie erkunden,ein “Gefühl für die Lokalität bekommen”
und sich mit dem gepriesenen Erzähler treffen. Am Ende wird man
davon lesen - in Schweden. Und die Arbeit hoffentlich zu schätzen
wissen, Wort für Wort.
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