Essen (ots) – Angela Merkels Zusage, den schweren Gang zur
Trauerfeier ins niedersächsische Selsingen mitzugehen, wird den
Angehörigen hoffentlich gut tun. Den Charakter einer
schadensbegrenzenden Last-Minute-Entscheidung verliert sie darum
nicht. Die Frau, die es vermeidet, sich von Verlierer-Themen
infizieren zu lassen, springt beim traurigsten Kapitel der deutschen
Afghanistan-Misere nicht so sehr aus tief empfundenem persönlichen
Antrieb. Sondern weil ihr ein Massenmedium das Stöckchen hinhält.
Seltsam. Warum muss eine Regierungschefin erst in die flüchtige
Währung der Meinungsforscher übersetzen, was ihr Erscheinen oder
Nichterscheinen am Grab gefallener Soldaten bringt? Jeder Staat hat
eine besondere Verantwortung für diejenigen, die er ausschickt, um in
seinem Namen für Werte wie Freiheit und Demokratie zu kämpfen.
Es sollte unstrittig sein, dass die Bundeswehrsoldaten in
Afghanistan ein Opfer bringen, das weder ihr Sold ausgleicht noch der
Hinweis auf spezifische Berufsrisiken. Wer im Namen seines Landes
sein Leben zu geben bereit ist, hat im Todesfall am Grab Worte
verdient, die nach Wirklichkeit klingen. Und den offen bekundeten
Respekt der politisch Verantwortlichen.
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