Essen (ots) – Felix Magath ist endgültig auf Schalke angekommen.
Auch dank des zweiten Sieges in seinem erst zweiten Revier-Derby,
versteht sich. Aber mehr wohl noch durch seinen emotionalen
TV-Auftritt nach dem Spiel, als er dem Bezahlsender Sky mit
drastischen Worten polemische Berichterstattung gegen Schalke 04
vorwarf.
So etwas kommt beim eingefleischten Fan immer gut an. Wünscht sich
dieser doch einen Trainer, der für seinen Verein unerschrocken durchs
Feuer geht. Mehr noch: Der ihn in seiner Meinung – wie auch die
Redaktion dieser Zeitung leidvoll bestätigen kann – bestärkt, “sein”
Klub komme in den Medien grundsätzlich zu schlecht weg. Das sehen die
Dortmunder und Münchener übrigens nicht anders als die Schalker
Anhänger.
Gerade im Fußball kommen Verschwörungstheorien offenbar nie aus
der Mode. Zielen diese auf die Schiedsrichter ab, fallen sie oft auf
ihre Urheber zurück – mit Presseschelte kann man dagegen kaum Fehler
machen. Für beide Varianten steht im Übrigen wie kein anderer
deutscher Verein der FC Bayern. Uli Hoeneß hat die Methode,
Schiedsrichter und Journalisten so lange einzuschüchtern, bis diese
das gewünschte Verhalten zeigen, über Jahre nahezu perfektioniert.
Vielleicht hat ja Magath diese Strategie in seiner Münchener Zeit
verinnerlicht. Seine Diktion (“Warum müssen wir uns eigentlich immer
für Siege rechtfertigen”?) kommt einem jedenfalls vertraut vor.
Sky-Moderator Jan Henkel, der nichts anderes als seinen Job gemacht
hatte, vermutet in der Bild am Sonntag: ”Für meine Begriffe
schauspielert Felix Magath solche Erregungen ganz bewusst.”
Dass der sonst eher cool wirkende Coach die Contennance verlor,
weil ihm während der Gesprächsrunde der obligatorische Tee fehlte,
ist nicht zu vermuten. Und selbst unter Berücksichtigung des
Derby-Stresses darf Dünnhäutigkeit als Hauptursache - gerade nach
einem Sieg – eher ausgeschlossen werden als ein kalkuliertes
Verhalten. Magaths Erfolgsmodell hat sich nie bloß auf
Medizinball-Training und taktische Raffinessen beschränkt. Vom ersten
Tag an hat der Münchener und Wolfsburger Meistermacher keinen Hehl
daraus gemacht, dass er auf Schalke Einfluss auf alles nehmen will –
die Medien inklusive.
“Schalke”, hat Magath gestern noch einmal nachgelegt, “ist in den
vergangenen Jahren nicht entsprechend seines vermeintlich sportlichen
Wertes bewertet worden, weil sich hier wohl niemand zuständig dafür
gefühlt hat, diesen Respekt einzufordern.” Soviel ist seit dem Derby
klar: Magath ist angetreten, auch dies zu ändern. Wie weit er damit
kommt, wird letztlich vom Erfolg abhängen – bei den Bayern hat es
funktioniert . . .
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