WAZ: Kartell des Schweigens – Kommentar von Klaus Wille



Essen (ots) – Ein gewisses Maß an Verständnis für die
Verantwortlichen im Fußball könnte man auf den ersten Blick ja noch
aufbringen: Wer reißt sich schon darum, mitten im
Schiedsrichter-Skandal, mitten in einer Affäre, in der es auch um Sex
unter Männern geht, mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit zu
gehen?
Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit, wenn es in einem der letzten
Reservate der Männlichkeit um Homosexualität geht. Auf den Rängen
deutscher Stadien wird munter diskriminiert und verteufelt, “schwul”
ist das Synonym für alles, was abgelehnt wird. Homosexuelle Fußballer
verstecken sich hinter ihrem Doppelleben als lebten wir noch im Jahr
1950. Und DFB-Präsident Theo Zwanziger, für seine Reden gegen
Schwulenfeindlichkeit hoch gelobt, macht ausgerechnet in der
Schiri-Affäre eine klägliche Figur und befeuert ungewollt, dass
Homosexualität und sexueller Missbrauch miteinander vermischt werden.
Und die Vereine schweigen.
Dabei müsste jedem klar sein, dass sich das Thema nicht ewig
unterdrücken lässt. Männer wie Felix Magath oder Jürgen Klopp, die zu
vergleichsweise belanglosen Themen wie einem Chip im Ball immer etwas
zu sagen haben, werden eines Tages Stellung beziehen müssen. Besser,
sie wären mutig voran gegangen statt sich wie zurzeit dem Kartell des
Schweigens anzuschließen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de  

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One Comment on "WAZ: Kartell des Schweigens – Kommentar von Klaus Wille"

  1. stontserl
    10/03/2010 at 10:10 Permalink

    Jürgen Klopp hat sich bereits nach Enkes Tod in aller Deutlichkeit über Tabuthemen Depression und Homosexualität im Fußball geäußert. Zu Letztgenanntem: “Ganz klar: Der Erste, der sich outet, wird von den Medien gejagt werden. Die werden über ihn herfallen – nicht die Mitspieler. Die akzeptieren das schneller als die Presse. Die Boulevardzeitungen würden sich monatelang auf diesen armen Kerl draufschmeißen… Es müsste ein ganzer Schwall kommen. Wenn sich zehn, zwanzig auf einmal outen. »Hallo, hier sind wir. Hallo, wir sind schwul.« Dann würde alles mit einem Mal ganz anders aussehen. Das würde ich selbstverständlich unterstützen.”
    Schon vergessen?

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