WAZ: Gas für Europa. Kommentar von Wolfgang Mulke



Essen (ots) – Erdgas wird so dringend benötigt wie nie zuvor. Kein anderer Energieträger verzeichnete in den letzten Jahren ein so starkes Verbrauchswachstum. Das könnte den Förderländern eine höchst komfortable Lage bescheren, mit hohen Preisen und sicheren Absatzperspektiven. Der Wettbewerb um die Versorgungssicherheit in den nächsten Jahrzehnten ist in vollem Gange. Mit der neuen Ostseepipeline verfügt Europa nun über einen direkten Transportweg für russisches Erdgas. Strategisch ist das ein großer Vorteil.

Die Sorge vor einer zu großen Abhängigkeit von Russland ist unbegründet. Das wäre der Fall, wenn es dort alternative Großkunden gäbe und die Käufer gegeneinander ausgespielt werden könnten. Doch das wachsende Angebot an Gas, auch aus anderen Ländern oder aus neu erschlossenen Quellen, bildet ein Gegengewicht. Das Interesse an stabilen Lieferbeziehungen ist auf beiden Seiten gegeben. Russland braucht die Einnahmen von Gazprom, weil damit der Staatsetat finanziert wird. Europa ist immer mehr auf Zulieferungen angewiesen, weil der Verbrauch wächst und sich die eigenen Gasvorkommen allmählich leeren. Dieses Geben und Nehmen ist für beide Seiten ein Gewinn.

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