WAZ: Explosive Thesen. Kommentar von Christopher Onkelbach



Essen (ots) – Es ist zunächst wenig mehr als ein theoretisches Gedankenexperiment. Was wären die Vorteile, fragen die Ökonomen Weber und Ginsburgh, wenn man die Sprachvielfalt im Betrieb der Europäischen Union drastisch einschränken würde? Klar, man würde viel Geld für die Übersetzungen sparen, Verwaltungsvorgänge würden beschleunigt, das Verständnis gesteigert. All das dient dem Wachstum und dem Zusammenhalt. Doch so einfach ist das nicht. Lassen wir einmal die Detonationen außer acht, die in Brüssel entstehen würden, sollte zum Beispiel Bulgarisch, Dänisch, Finnisch, Griechisch und andere als Amtssprachen tatsächlich abgeschafft werden – die EU würde das wohl kaum überleben. Allein der Respekt vor der Kultur der Nationen verbietet eine Reduzierung der Sprachvielfalt. Wenn die Sprache, die Kultur und die Geschichte eines Landes nicht geachtet werden, wie sollen sich die Menschen dann als Teil einer Gemeinschaft fühlen? Sprache ist Identität. Diese gegen die Ökonomie auszuspielen legt den Verlierer schon fest. Das erkennen auch die Autoren und suchen einen Mittelweg. Den aber würde keine der 27 EU-Nationen mitgehen.

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