Essen (ots) – Jean-Claude Juncker tut so, als sei er stolz: Im
März habe der Gipfel die Grundsätze einer möglichen Griechenlandhilfe
beschlossen, “noch keine drei Wochen später sind wir in der Lage zu
liefern!”
Tatsächlich sind der Chef der Eurogruppe und seine Mitstreiter nicht
stolz, sondern besorgt. Der Auftrag, konkrete Details für eine
allfällige Kreditstütze zugunsten der Griechen auf den Tisch zu
legen, kam nicht vom EU-Gipfel, sondern von den Märkten.
Das ergibt sich schon aus dem Termin der Bekanntgabe: Wenn sich die
Eurogruppe am Sonntag zusammenschaltet und noch am selben Tag ihre
Frontfiguren vor die Presse schickt, dann nicht aus Freude über
zügige Erledigung von Arbeitsaufträgen, sondern weil die Hütte
brennt.
Wäre es nach Angela Merkel gegangen, hätte eigentlich schon die
kollektive Beteuerung “Im Falle eines Falles stehen wir bereit!”
Mitte Februar reichen sollen, die Spekulationen gegen Athen zu
stoppen. Sie reichte nicht, ebenso wenig wie die Konkretisierung im
März. Verwundern darf das keinen: Die Euro-Oberen haben der
demonstrativen Einigkeit jedes Mal auseinanderlaufende
Interpretationen hinterher geschickt, zum Beispiel über die Zinsen
für mögliche Griechen-Kredite. Jetzt weiß man es wieder ein Stückchen
genauer.
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