WAZ: Ein doppelt trauriger Abschied – Kommentar von Jens Dirksen



Essen (ots) – Loriot war ein Genie, weil er Komik und Haltung miteinander verbinden konnte. Unter allen Preußen war er der liebenswerteste, weil er deren Tugenden in den Dienst des Lachens gestellt hat. Die Lücke, die er hinterlässt, wird auf Dauer bleiben. Er wird uns fehlen. Aber genau genommen hat er uns längst gefehlt. Sein 85. Geburtstag vor drei Jahren und der 80. zuvor, das waren noch einmal Anlässe für das Fernsehen, sich seiner grandiosen Alltagsdramen zu erinnern, in denen das Publikum der 70er- und 80er-Jahre ja nicht nur Grund zum Lachen sah, sondern auch sich selbst. Aber man fühlte sich nicht nur auf den Arm genommen, sondern auch in denselben – Humor mit menschlichem Antlitz. Und der passt schon eine ganze Weile nicht mehr in die Zeit. Das liegt nicht am Privatfernsehen mit seiner Trivialisierung, seiner Verflachung des Humors zur Comedy allein. Der Wandel der Komik spiegelt auch ein gesellschaftliches Klima, das bis ins Lachen hinein bestimmt ist vom Konkurrenzdenken. Das Lachen über sich selbst ist etwas aus der Mode gekommen. An seine Stelle ist das Verlachen getreten, das dazu dient, den anderen, den Verlachten zu erniedrigen, sich von ihm abzugrenzen. Dabei kann das Lachen eine Gemeinschaft fast genauso zusammenschweißen wie gemeinsames Leid. Wir haben doppelt Grund, um Loriot zu trauern.

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