WAZ: Die vielen Seiten des Lesens. Kommentar von Jens Dirksen



Essen (ots) – Mit jedem Jahr, das ins Land geht, wird der Name der Frankfurter Buchmesse immer falscher. Und das liegt nicht am Tingeltangel um Entertainer, Boxer und Models – der gehört beim Oktoberfest der Buchwelt schon seit Jahrzehnten zur ortsüblichen Folklore. Nein, die Messe in Frankfurt dreht sich immer weniger ums Buch, es geht immer mehr ums Lesen.

Lesen macht einsam, wir sind ganz bei uns, wenn wir lesen, und zugleich in der Welt. Das macht den Zauber aus, morgens am Frühstückstisch, im Sommer am Strand, nachts mit dem Schmöker. Und dabei ist es am Ende ganz gleich, ob wir etwas auf einem Bildschirm lesen oder auf einer Buchseite. Unser Gehirn macht da keinen Unterschied, wir verstehen beides gleich schnell und behalten es gleich lange. Das haben Sprachwissenschaftler gerade in einer Studie gezeigt, ausgerechnet an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

Wer es sein Lebtag nicht anders gewohnt ist, wird wohl weiter zum gedruckten Buch greifen. Die Generation iPhone aber hat natürlich nicht mehr die geringsten Berührungsängste. Viel entscheidender aber wird für diese wie jene Leser sein, dass ihnen noch die Zeit bleibt, ungestört im Lesen zu versinken. Wer nur noch Informationsbröckchen aufschnappt, wird eines Tages blind werden dafür, dass die Welt viel mehr hat als nur eine Seite.

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