WAZ: Die Sanktionen gegen den Iran – Kommentar von Ulrich Reitz



Essen (ots) – Sanktionen sind immer problematisch. Sie treffen die Zivilbevölkerung im Iran und damit die schwächsten in der Kette. Sie treffen die Länder, die diese Sanktionen aussprechen, auch selbst. Der Sprit wird teurer, die Ölrechnung wird vor allem in Staaten teurer, die ohnehin in Schwierigkeiten stecken wie Griechenland. Und ob die Sanktionen Iran von seinem Atomprogramm abbringen, ist auch aus wirtschaftlichen Gründen fraglich. China will iranisches Öl kaufen. Es läuft also darauf hinaus: Die Europäer zahlen, die Chinesen profitieren. Wir leben in einer vernetzten Welt. Das betrifft nicht nur den Öl-, sondern auch den Geldmarkt. Der Iran wird Schlupflöcher finden und Menschen oder Regierungen, die aus Europas Sanktionen für sich ein Geschäft ableiten. Sanktionen muten heutzutage altmodisch an, wie ein Überbleibsel aus dem letzten oder gar vorletzten Jahrhundert. So weit, so schlecht. Andererseits muss man nicht in Israel leben, um die bloße Vorstellung von iranischen Atombomben als Horror zu begreifen. Käme es so, und sehr viel spricht dafür, würde eine Brennpunkt-Region noch unsicherer. Es käme zu einem atomaren Wettlauf, etwa zwischen Iran und dem Nachbarn Saudi-Arabien; aus einem Grenzscharmützel kann ein Atomkrieg werden. Es gibt keine eindeutige Wahrheit. Sanktionen sind wohl nur das kleinere Übel. Das größere heißt Krieg.

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