Essen (ots) – Da sind wir also endlich wieder einmal Weltmeister.
Wir Deutschen gehen so oft zum Arzt wie sonst niemand auf der Welt.
Die Praxen sind voll, der Doc behandelt wie am Fließband. Schimpfen
wir einmal nicht auf den Arzt, sondern fragen wir uns selbst: Sind
wir wirklich so krank? Nein. Wir sind so gesund wie nie. Noch nie im
Leben gab es Senioren, die so fit waren wie heute. Wir sind nicht so
krank. Aber wir haben uns daran gewöhnt, auch bei Kleinigkeiten zum
Arzt zu gehen. Oder dann, wenn man nichts hat. Es könnte ja was sein.
Es gibt mehr und mehr ernst zu nehmende Stimmen, die in der an sich
vernünftigen Vorsorgepraxis auch übertriebene Züge erkennen.
Arztbesuche finden zum großen Teil auch aus Langeweile statt. Es
zeigt, wie vereinsamt Menschen sind. Aber auf Krankenschein kann man
das Fehlen von Kontakten nicht behandeln. Selbst die ungeliebte
Praxis-Gebühr, die zwei Milliarden Euro pro Jahr einbringt, hat kaum
einen abgeschreckt. Der eigentliche Grund aber, warum wir die
Arztpraxen stürmen, ist die Folge eines Gesundheitssystems, das nicht
die Genesung, sondern die Krankheit belohnt: Je kranker wir sind,
desto mehr Geld erhält der Arzt. Für eine Patientin, 50 Jahre alt,
wandern aus dem Gesundheitsfond etwa 517 Euro (für Junge gibt es 185
Euro) auf das Konto der Kasse. Hat sie Diabetes, kommt noch mehr
Geld dazu – bis zu 5000 Euro, wenn mit Komplikationen zu rechnen ist.
Das mag im Einzelfall gut sein. Aber nicht bei 80 (!)
Krankheiten. Viel zu schnell führt es dazu, dass sich Menschen mit
einer Bagatell-Erkrankung bei den chronisch Kranken wiederfinden,
weil hier die Gelder fließen. Unser System produziert Kranke, um
finanzierbar zu sein. Das ist in der Tat krank.
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