WAZ: Der Zorn der Griechen. Kommentar von Walter Bau



Essen (ots) – Viele Griechen wollen sich dem strengen Spardiktat aus Brüssel nicht unterwerfen. Um Entlassungen, Lohnkürzungen und Rentenopfer zu vermeiden, organisieren sie einen Generalstreik nach dem anderen, werfen Steine und Brandsätze, drohen den Brüsseler Kontrolleuren mit Verhaftung – und stürzen so ihr Land immer tiefer ins Chaos. Ein Land begeht Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Tatsächlich stecken die Griechen in einer dramatischen Zwickmühle. Alle denkbaren Szenarien – neue “Rettungs”-Kredite, Staatsbankrott, Verbleib im Euro, Rückkehr zur Drachme – führen letztlich zur gleichen Misere: Auf die Menschen warten schmerzliche Reformen und es wird Jahre dauern, bis es wieder aufwärts geht. Athen muss den Staatsapparat neu strukturieren, teure Wasserköpfe amputieren, das Rentensystem umkrempeln, Steuerprivilegien kappen, die Politik den Klauen korrupter Clans entreißen – jeder Punkt für sich eine Herkules-Aufgabe. Angesichts dieser düsteren Aussichten mag der ohnmächtige Zorn der Demonstranten verständlich sein. Stoppen werden sie das Unvermeidliche damit nicht.

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