WAZ: Chance vertan – Kommentar von Jens Dirksen



Essen (ots) – Theater beleben eine Stadt in jeder Hinsicht. Oft genug sind es die Menschen von Rang, Loge und Parkett, die zusammen mit den letzten Kinobesuchern das Licht ausmachen – in Innenstädten, die einander immer ähnlicher werden mit ihren Ein-Euro-Shops und den Schaufenstern der handelsüblichen Filialisten. Über derlei Stadt-Quartiers-Aufwertung sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es in Theatern um Kunst geht. Zu selten vielleicht noch um Schauspiel- und Gesangskunst, zu häufig gewiss um Regiekunst. Aber Kunst, um es mit Karl Valentin zu sagen, ist nicht nur schön, sondern macht auch Arbeit, und gute Arbeit kostet Geld. Die Stadttheater, die tatsächlich einmal Fett angesetzt hatten, sind heute fast alle schlank gespart. Ja, es geht immer noch billiger. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sich eine Stadtgesellschaft entscheiden muss: Wer ein Theater will, darf es bei Strafe der Kunst-Verhunzung nicht aushungern. Das Revier mit seiner hohen Theaterdichte hatte mit der Kulturhauptstadt allerdings auch die große Chance, über eine Neuordnung der Bühnenlandschaft nachzudenken. Sie ist leider vertan worden.

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