Frankfurt / Istanbul (ots) – “Die weltweite Wasserkrise wird zu
einem Risiko für das Wirtschaftswachstum”, warnt Martin Geiger,
Leiter Bereich Süßwasser beim WWF Deutschland und Teilnehmer des
Weltwasserforums in Istanbul. Der Rohstoff Wasser würde derzeit noch
von vielen Unternehmen in “gedankenloser Weise verschwen-det”. Nach
aktuellen Untersuchungen der Umweltschutzorganisation WWF sind es
ausgerechnet einige (häufig kritisierte) multi-nationale Konzerne –
wie etwa Coca-Cola, Nestlé, IKEA oder Unilever – die da-mit begonnen
haben Risiken zu untersuchen, die durch ihre Abhängigkeit vom Wasser
entstehen. Doch die Mehrheit der Unternehmen sei sich dieser Risiken
nicht bewusst.
”Sauberes Wasser wird zu einem knappen Rohstoff und die Kosten
für Beschaffung, Reinigung und Er-schließung werden in die Höhe
schnellen”, sagt Martin Geiger. “Die Unternehmen müssen sich darauf
einstellen und Verantwortung übernehmen.” Denn zu aller Erst sei der
Zugang zu sauberem Trinkwasser ein universelles Menschenrecht. Nicht
zuletzt deswegen sieht der WWF-Experte auch eine Gefahr für die
Reputation von Unternehmen, die sich nicht mit ihrem Wassermanagement
beschäftigten. 2006 wurde Coca-Cola beispielsweise in Kerala (Indien)
vorgeworfen, dass eine Abfüllanlage Grundwasser übernutze und
Pestizide in Getränken gefunden wurden. Sechs weitere Bundesstaaten
verboten daraufhin zeitweilig den Verkauf. Das Oberste Gericht von
Kerala erklärte die Anschuldigen zwar für unhaltbar und hob das
Verbot auf, doch das Image des Konzerns leidet bis heute unter dem
Skandal.
“Wasser ist für den Menschen essentiell und daher sind
Unternehmen, die in großem Umfang diesen Roh-stoff verbrauchen in
besonderer Verantwortung – aus ökonomischer, ökologischer und
ethischer Sicht”, sagt WWF-Experte Geiger. Neben der
Getränkeindustrie seien auch IT-Branche, Tourismus, Landwirt-schaft,
Bergbau, Papier- und Zellstoffgewerbe oder Textilindustrie betroffen.
Der WWF fordert von den Unternehmen, öffentlich über ihren direkten
und indirekten Wasserverbrauch, die damit verbundene Risi-ken und die
Gegenmaßnahmen zu berichten – und damit für Investoren und
Öffentlichkeit offenzulegen. Außerdem sei die Privatwirtschaft auch
politisch gefordert. “Die Unternehmen müssen sich aktiv für eine
integrierte und effiziente Bewirtschaftung von Wasser einsetzen”, so
Martin Geiger. “Es macht ökologisch und ökonomisch überhaupt keinen
Sinn, wenn die geklärten Abwässer eines Unternehmens wieder in Flüsse
eingeleitet werden, die stark verschmutzt seien, weil es keine
öffentlichen Kläranlagen gibt.”
Weitere Möglichkeiten des Engagements von Firmen sieht der WWF in
der Finanzierung von Gemeinde-Projekte. “Solche Maßnahmen schaffen
Vertrauen und sichern langfristig die notwendige Akzeptanz”, sagt
WWF-Experte Geiger. “Ein effizienter und durchdachter Umgang mit der
Ressource Wasser hilft den Menschen, der Wirtschaft und der Umwelt.”
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- Interviewpartner in Istanbul: Martin Geiger, Leiter Bereich
Süßwasser, Tel. 0162-29 144 10
WWF World Wide Fund For Nature
Roland Gramling
Telefon: 069/ 79 144 216
E-Mail: Roland.Gramling@wwf.de
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