"Vermeidbare Komplikationen ohne Ende" – Mediziner beklagen Qualitätsmängel in Kliniken und bei der ambulanten Versorgung



Hamburg (ots) – Über Honorarprobleme reden Ärzte viel, über
Qualitätsmängel bei der eigenen Arbeit seltener. In der aktuellen
Ausgabe des Magazins GEO brechen Insider das Schweigen und berichten
über vermeidbare Fehler und ihre Ursachen. “Viel zu oft üben Ärzte an
lebenden Patienten”, wirft Marcus Rall, Leiter des Tübinger
Patientensicherheits- und Simulationszentrums “TüPASS”, seinen
Kollegen vor. Während es für Piloten selbstverständliche Routine sei,
kritische Szenarien am Simulator immer wieder zu trainieren, sei ein
Simulatortraining für Ärzte rein freiwillig und bisher extrem selten.
Als Folge nennt Rall “vermeidbare Komplikationen ohne Ende”: Da dürfe
der chirurgische Assistent, der zu Hause noch nie eine Nähnadel
benutzt hat, die erste Naht seines Lebens statt an Übungsmaterial am
Körper des Patienten ausführen – “dafür muss der dann eine halbe
Stunde länger in Narkose liegen”. Oder die Punktion bei der Betäubung
einer Hochschwangeren führe zu acht Tagen Kopfschmerzen, weil ein
Unerfahrener mit der Nadel zu tief stieß.

Ein Grund für die unhaltbare Situation: Kliniken hätten bisher
keinerlei finanziellen Vorteil davon, solche vermeidbaren Fehler
tatsächlich zu vermeiden. Zwar sei ausgefeilte Technik vorhanden,
doch Training an Simulatoren koste im Gegensatz zum Training an
Patienten schon im Vorweg Geld.

Schwachstellen sieht Ferdinand Gerlach, Professor für
Allgemeinmedizin an der Universitätsklinik Frankfurt am Main, auch in
der ambulanten Versorgung. Sein Forschungsteam befragte 15 Hausärzte
und jeweils zehn ihrer Patienten unabhängig voneinander, welche
Arzneimittel verschrieben und welche tatsächlich eingenommen wurden.
In 90 Prozent der Fälle zeigten sich Unstimmigkeiten. Ein Großteil
der Patienten nahm die Medikamente seltener als verordnet oder in
falscher Dosierung ein. Besonders Befragte zwischen 65 und 90 Jahren
schluckten außerdem zusätzliche Pillen, von denen ihr Hausarzt nichts
ahnte.

Bessere Kommunikation mit den Patienten ist ein Schlüssel, um die
Qualität in der Gesundheitsversorgung zu verbessern. Die erfordert
allerdings auch mehr Geduld. Nur zwölf bis 20 Sekunden dauert es GEO
zufolge bisher im Durchschnitt, ehe ein Arzt die Kranken das erste
Mal unterbricht. Doch der Bericht macht auch Hoffnung. So zeigen
Beispiele, wie Ärzte durch kollegiales Feedback oder durch anonyme
Fehlermeldesysteme aus eigenen und fremden Fehlern lernen.

Die aktuelle GEO-Ausgabe umfasst 164 Seiten, kostet 6,30 Euro und
ist ab sofort im Handel erhältlich.

Unter www.geo.de/presse-download finden Sie das aktuelle Heftcover
zum Download.

Pressekontakt:
Maike Pelikan
GEO Marktkommunikation
20444 Hamburg
Telefon  +49 (0) 40 / 37 03 – 21 57
Telefax  +49 (0) 40 / 37 03 – 56 83
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