Verband: Lehrermangel schadet Standort Deutschland



(pressebox) Düsseldorf, 23.02.2009, Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Josef Kraus, hat vor den Folgen des Lehrermangels für den Wirtschaftsstandort Deutschland gewarnt. "Zunächst wird der Bildungsstandort leiden – vor allem in Form von Unterrichtsausfall und größeren Klassen. Im nächsten Schritt wird der Wirtschaftsstandort leiden, denn die jungen Leute werden dann schwächer qualifiziert auf den Arbeitsmarkt kommen", sagte Kraus am Montag im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Nach Kraus’ Angaben fehlen derzeit etwa 20.000 Lehrer in Deutschland. Der Mangel sei am größten in den Realschulen und Gymnasien in den Fächern Mathematik, Physik, Latein sowie in den beruflichen Schulen in Elektrotechnik, Metalltechnik und Wirtschaftspädagogik. "Das liegt an einer miserablen, leider nur kurzatmigen Personalplanung und Personalwerbung der 16 Kultusminister, aber auch am schlechten beziehungsweise schlechtgeredeten Image der Lehrerschaft in der Öffentlichkeit", kritisierte der DL-Präsident. Hinzu komme die "fortschreitende Überfrachtung der Schulen mit sozialpädagogischen Reparaturaufgaben und die schlechte Vergütung für Referendare".

Als "viel gravierender" schätzt Kraus allerdings den Umstand ein, dass, wie er sagte, von den derzeit 800.000 aktiven Lehrern in Deutschland in den kommenden zehn Jahren über 300.000 in den Ruhestand gingen. Diese Lücken ließen sich kurzfristig nur durch Quereinsteiger und Pensionisten schließen, langfristig durch eine "differenzierte Werbung der Kultusminister". Vor diesem Hintergrund verteidigte Kraus die umstrittene Lehrer-Abwerbekampagne Baden-Württembergs (www.lehrer-fuer-baden-wuerttemberg.de). Es sei "legitim", Lehrer aus anderen Bundesländern abzuwerben. "Wenn bestimmte Länder für Lehrer attraktiver und andere Länder weniger attraktiv sind, dann müssen sich letztere etwas einfallen lassen", sagte Kraus. "Warum soll es hier nicht ein wenig Markt geben?"

Die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) will die Abwerbung von Lehrern unter den Bundesländern bei der Kultusministerkonferenz im März zum Thema machen, wie sie am Wochenende in einem Interview sagte. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hatte mit Blick auf Baden-Württemberg kritisiert, im Wettbewerb um Lehrer sei "eine Eskalationsstufe erreicht, die die Schamgrenze verletzt".

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