vbw plädiert für sofortige vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit



(pressebox) München, 29.04.2009, Die Bundesregierung hat sich für eine Verlängerung der Übergangsregelung zur Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Mitgliedstaaten aus Mittel- und Osteuropa entschieden. Eine entsprechende Mitteilung ist bei der Europäischen Kommission eingegangen. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung und wies auf die Chancen der vollständigen Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa für die deutsche und bayerische Wirtschaft hin.

"Gerade in unserer wirtschaftlichen Lage müssen wir die Vorteile, die uns ein Europa mit uneingeschränkter Arbeitnehmerfreizügigkeit bietet, erkennen und nutzen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre aus EU-Ländern mit voller Frei-zügigkeit zeigt, dass die Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes zu mehr wirt-schaftlicher Dynamik insgesamt führt und damit auch zu mehr Beschäftigungs-möglichkeiten hierzulande. Auch eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeits-markt- und Berufsforschung belegt, dass eine Öffnung für Deutschland lang-fristig positive Effekte hat. Eine weitere Verlängerung der Übergangsfrist bis 2011 halten wir daher nicht für sinnvoll", betonte Brossardt.

Durch die demografische Entwicklung wird sich der Fachkräftemangel in der bayerischen Wirtschaft in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. An dieser Tendenz wird auch die derzeitige Wirtschaftskrise nicht wesentlich etwas ändern. Eine vbw-Studie hatte erst kürzlich ergeben, dass der Bedarf an Hochschulabsolventen und Fachkräften insbesondere in technischen Berufen bis zum Jahr 2015 in Bayern auf etwa 170.000 anwachsen wird. "Diesen Be-darf können wir über die Aus- und Weiterbildung im eigenen Land allein nicht decken", erläuterte der vbw-Hauptgeschäftsführer.

Außerdem gab Brossardt zu bedenken, dass der europäische Staatenverbund im Vergleich zu den USA oder Kanada für Hochqualifizierte als Arbeitsplatz derzeit nicht attraktiv genug sei. "Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr in Deutschland ausgebildete Fachkräfte neue berufliche Herausforderungen außerhalb Europas suchen. In Deutschland zeigt sich dieser Trend seit mehre-ren Jahren", ergänzte Brossardt. Die vbw plädiere daher für eine möglichst rasche vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit der seit 2004 zur Europäischen Union gehörenden mittel- und osteuropäischen Staaten.

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